Tsehay – Desta Mender Trainee

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Ihr Name bedeutet „Sonne“ in Amharisch. Ihr Leben war aber bisher alles andere als sonnig. Tsehay wuchs in einem kleinen Dorf auf, ohne Strom oder fließendes Wasser. Die Schule lag 1 Stunde Fußmarsch entfernt. In der 7. Klasse musste sie die Schule verlassen, weil sie verheiratet wurde. Ihr Mann bezahlte 200 Dollar für sie und gab noch 4 Kühe dazu. So wurde sie mit 13 Jahren verheiratet.
Ihren Mann hatte sie vorher noch nie gesehen. Für Tsehay war das Leben als Hausfrau nicht einfach, aber alle sagten, es sei gut so jung zu heiraten. So passte sie sich an und diente ihrem Ehemann.
Alle freuten sich über ihre Schwangerschaft bis zu diesem verheerenden Tag der Geburt. Nach 4 Tagen schmerzhafter Wehen wurde sie auf einer Trage 5 Stunden in die nächste Klinik gebracht. Auch dort konnte man ihr nicht helfen und sie wurde mit der Ambulanz in das nächste Krankenhaus gebracht, wo sie zwischen Leben und Tod schwebte. Am 5. Tag wurde ihr Kind tot geboren. Sie blieb am Leben – aber mit einer doppelten Fistel. Da man ihr dort nicht helfen konnte, wurde sie nach Hause entlassen. „Ich blieb bewegungslos, war inkontinent und verbrachte den ganzen Tag damit, auf einem durchnässten Bett zu liegen. Wegen des Gestanks wollte niemand etwas mit mir zu tun haben. Selbst meine eigenen Brüder hielten sich fern. So blieb ich drei beschämte und depressive Jahre.“ erinnert sie sich.
In dieser Zeit kümmerten sich ihre Mutter und ihre älteren Schwestern um sie. Ihr Ehemann war nach einer Weile verschwunden. Sie blieb bei ihrer Mutter zurück, aber in einer separaten kleinen Hütte. Sie ging nie auf den Markt oder zu gesellschaftlichen Zusammenkünften im Dorf, weil sie sich des Gestanks und der Beinverletzung durch die langen Wehen schämte. Nach 3 Jahren dieses unerträglichen Zustandes besuchte ein Mitglied der Kirche Tsehay und informierte über das Fistula Hospital.
Vor 2 Jahren kam Tsehay im Außenzentrum Mettu an. Wegen der doppelten Fistel wurde sie nach Addis Abeba geschickt. „In dem Moment, als ich andere Frauen mit demselben Problem in Mettu sah, wurde ich hoffnungsvoll, Heilung zu bekommen. Als ich in Addis Abeba ankam, erholte ich mich vollständig von der Beinverletzung. Ich möchte den Mitarbeitern im Zentrum von Mettu für ihre bedingungslose Liebe und Fürsorge danken, die sie mir gegeben haben.“
Im Juni 2017 kam Tsehay in Addis Abeba an und erhielt im Februar 2018 die letzte erfolgreiche Operation. Sie befindet sich derzeit in einem Rehabilitationstraining in Desta Mender. In wenigen Wochen wird sie es erfolgreich beenden und geheilt und selbstbewußt nach Hause zurückkehren.

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23. Mai – Internationaler Tag zur Beendung geburtsbedingter Fisteln

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Geburtsbedingte Fisteln sind eine der schwersten und tragischsten Verletzungen, die während der Geburt auftreten können. Es ist ein Loch zwischen dem Geburtskanal und der Blase oder dem Rektum entstanden, verursacht durch längere, blockierte Wehen ohne Behandlung.

Die Erkrankung führt typischerweise dazu, dass Frauen inkontinent sind, weshalb sie oft von ihren Gemeinschaften gemieden werden. Die Betroffenen erleiden oft Depressionen, soziale Isolation und zunehmende Armut. Viele Frauen leben seit Jahren – oder sogar Jahrzehnten – mit dieser Krankheit, weil sie sich keine Behandlung leisten können oder wissen, dass Behandlung möglich ist.

Schätzungsweise 2 Millionen Frauen in Afrika südlich der Sahara, in Asien, im arabischen Raum sowie in Lateinamerika und der Karibik leben mit dieser Verletzung, und jedes Jahr entwickeln sich zwischen 50.000 und 100.000 neue Fälle. Dennoch sind Fisteln fast vollständig vermeidbar. Ihre Hartnäckigkeit ist ein Zeichen dafür, dass die Gesundheitssysteme den grundlegenden Bedürfnissen der Frauen nicht gerecht werden.

In ihrer Resolution A / RES / 67/147 fordert die Generalversammlung der Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft auf, den Internationalen Tag zu nutzen, um das Bewusstsein für die Beendigung der Geburtsfistel deutlich zu schärfen und die Maßnahmen zu intensivieren.
http://www.un.org/en/events/endfistuladay/

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Medina Kemalo – Fistelpatientin

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Medina ist etwa 30 Jahre alt und wurde in der Kleinstadt Darimu geboren, etwa 40 Km vom Außenzentrum Mettu in Westäthiopien. In dieser Stadt gibt es eine Schule und auch ein Health Center. Aber da Medina aus einer armen Bauernfamilie stammt, besuchte sie nie eine Schule und wurde mit 15 Jahren verheiratet. Wie in vielen muslimischen Familien üblich war Medina die jüngste der drei Frauen ihres Ehemannes.

Für Medina war die Ehe die Erfüllung ihrer Wünsche und ein Privileg. Ihr gefiel das Eheleben von Anfang an, ihr Mann besuchte sie öfters als seine beiden anderen Frauen, die im gleichen Hof, aber in einer anderen Hütte lebten. Dieses Glück dauerte bis zu ihrer ersten Schwangerschaft.

Sie ging mehrmals zur Schwangerschaftsvorsorge in der Stadt, aber sie musste zu Hause gebären und die Wehen dauerten mehr als 3 Tage. Erst danach wurde sie in das Health Center gebracht. Aber das Baby war schon in ihrem Bauch abgestorben und wurde tot geboren. Danach konnte sie zunächst einige Tage kein Wasser lassen, als es dann ging, war sie inkontinent. Sie schämte sich sehr und erzählte es nur ihrer Mutter. Beide hofften, es würde nach einiger Zeit aufhören.

Zuhause besuchte ihr Mann sie nicht mehr und schickte sie zu ihrer Mutter zurück. Dort lebte sie 5 Jahre lang, bis sie – immer noch inkontinent – einen anderen Ehemann fand. „Ich schämte mich sehr, wenn ich mit meinem Mann schlief, aber seine Fürsorge und Liebe machten mein Leben besser“

Medina lebte 10 Jahre mit ihrer Fistel, nicht wissend, dass es nur 40 km entfernt das Hamlin Außenzentrum gab, wo ihr geholfen werden konnte.

Im Januar 2018 erreichte sie endlich das Außenzentrum in Mettu und wurde Anfang März operiert. Nach 3 Wochen wurde der Katheter entfernt und Medina als geheilt nach Hause entlassen.

„Ich freue mich sehr und möchte allen Mitarbeitern für die mütterliche Hilfe und Fürsorge danken. Ich dachte nie, dass Heilung möglich sei, sonst wäre ich schon viel früher hierher gekommen.“

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Asiyya Babora – Mutter und Fistelpatientin

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Asiyya ist 19 Jahre alt und kommt aus der Region Benishangul in der Nähe von Asosa. In Benishangul entsteht einer der größten hydroelektrischen Staudämme. Die meisten Leute der Umgebung leben als Nomaden in Stammesverbänden. Asiyya hütete das Vieh und folgte mit ihrer Familie dem Regen. Für die Regierung ist es sehr schwierig, Gesundheitsvorsorge für Nomaden zu gewährleisten.

Nach der Hochzeit mit einem Mann vom selben Stamm lebte Asiyya weiterhin nomadisch, aber als Ehefrau. So kannte sie das Leben und wollte nichts anderes. Alles schien gut und glücklich bis zu der ersten Schwangerschaft. Asiyya hatte verlängerte Wehen und wurde nach einem Tag in das nächste Health Center gebracht. Die Krankenschwestern bemerkten, dass es Komplikationen geben würde und schickten sie in das Regierungskrankenhaus in Asosa. Die Ärzte dort konnten durch einen Kaiserschnitt Asiyyas Leben und auch das Baby retten, aber sie war danach inkontinent. Im Krankenhaus erfuhr sie, dass sie nach 3 Monaten nach Bahir Dar gehen sollte, wo man sie kostenlos behandeln könne.

„Zu Hause verliess mich mein Mann, meine Mutter starb an einem Schlangenbiss. Ich musste mich auch um meine kleine Schwester und meinen Jungen kümmern. Ich stillte beide gleichzeitig. All das machte mich ziemlich traurig und ich konnte das Leben kaum ertragen“

Nach 3 Monaten fuhr Asiyya 600 km mit dem Bus nach Bahir Dar. Sie hatte ihren Sohn und ihre kleine Schwester dabei. Nach 6 Monaten hatte sie eine erste Operation, die nicht erfolgreich war und kehrte nach Hause zurück mit einem Termin für die nächste Operation. Die 2. Operation zeigte eine Verbesserung aber sie war ebenfalls nicht erfolgreich und Asiyya kehrte nicht mehr nach Bahir Dar zurück, obwohl sie einen Termin hatte. Sie entschied sich, das Außenzentrum in Mettu aufzusuchen, obwohl es 1.000 km entfernt war.

Auch die 3. Operation in Mettu war nicht erfolgreich, obwohl alles schon sehr viel besser war. Jetzt wartet sie auf eine letzte Operation mit der Hoffnung, dass sie danach vollkommen trocken sein wird. Ihre kleine Schwester und den 3-jährigen Sohn ließ sie bei ihrem älteren Bruder.

Die Mitarbeiter des Zentrums in Mettu sind hoffnungsvoll, Asiyya heilen zu können. Ansonsten wird sie nach Addis Abeba überwiesen zur weiteren Behandlung. Aiyya ist eine junge Frau mit freundlichem Lächeln und sehr herzlich zu jedem im Außenzentrum in Mettu.

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Tekele Woldekidan – Desta Mender

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Tekele ist schätzungsweise 46 Jahre als und kommt aus einem kleinen Dorf in Nordäthiopien. Für alle Dorfbewohner war es nicht wichtig, das Geburtsdatum zu kennen, sie schätzen ihr Alter an Lebensereignissen. Tekele ist sehr traditionell aufgewachsen. Da ihre Mutter früh starb, wuchs sie mit ihrem Vater auf, der einige Felder bearbeitete, um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Tekele hütete die Ziegen und half ihrer Stiefmutter. Schule war ein undenkbarer Luxus.
Mit etwa 15 Jahren wurde Tekele verheiratet und kurz danach schwanger. Alle freuten sich über diese Nachricht. Da das nächste Health Center 4 Stunden Fußmarsch entfernt war, ging Tekele während der ganzen Schwangerschaft nie dorthin. Sie wollte ihr Kind zuhause gebären, wie es alle Frauen taten und wie es schon immer Tradition war.
Die Wehen dauerten 4 schmerzhafte Tage und keine der traditionellen Geburtshelferinnen konnte helfen. Nach 4 Tagen wurde das Baby tot geboren und Tekele hatte eine doppelte Fistel. Durch die langen Wehen war auch ihre Beinmuskulatur geschwächt, so dass sie nicht gehen konnte. „Ich war so deprimiert und beschämt von diesem Zustand. Ich blieb ein Jahr lang zu Hause, mein Mann pflegte mich, wusch meine Kleidung, badete und fütterte mich. Mein Mann war der Priester des Dorfes und hielt meine Krankheit den anderen gegenüber geheim.“ erinnert sich Tekele.
Nachdem Tekele wieder alleine laufen konnte, reiste sie zum ersten Mal nach Mekelle auf der Suche nach Heilung. Das Außenzentrum in Mekelle war noch nicht gebaut, aber eine NGO, die dort arbeitete, schickte Tekele nach Addis Abeba.
Vor etwa 20 Jahren kam Tekele im Fistula Hospital an und nach 4 Monaten war dir rektale Fistel und die Beinverletzung geheilt. Tekele sollte 6 Monate später zur nächsten Operation kommen, aber sie tauchte nie auf sondern lebte 20 Jahre mit ihrer Blasen-Scheiden-Fistel. „Mein Mann und ich selbst haben nicht geglaubt, dass die nächste Operation funktionieren könnte, weil wir dachten, dass ich entlassen worden war, weil ich unheilbar war. Also haben wir beschlossen, dass eine weitere Operation nichts als Zeitverschwendung sei. Diese 20 Jahre verbrachte ich völlig istoliert. Niemand im Dorf außer meinem Mann wußte von meiner Inkontinenz.“
Die Nachricht, dass es in Mekelle ein Außenzentrum gab, nährte neue Hoffnung in Tekele. Vor 2 Jahren reiste sie dorthin, aber die Operation war nicht erfolgreich. Tekele wurde erneut nach Addis Abeba weiter geschickt. Letzten Sommer wurde sie erneut operiert und ist jetzt völlig trocken. „Es war wie eine Entlassung nach 20 Jahren Gefängnis. Endlich kann ich teilnehmen an glücklichen oder traurigen Ereignissen im Dorf und muss keine Ausreden mehr erfinden.“
Tekele lebt jetzt in Desta Mender. Die durchläuft die Rehabilitation und wird in wenigen Monaten nach Hause zurückkehren um in Zukuft in ihrem Dorf zu helfen.

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