Simegn Yitayal

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Anders als die meisten Frauen, die in unseren Centern behandelt werden, ist Simegn in einem Dorf geboren und aufgewachsen, wo es ein Health Center gibt. Auch das nächste staatliche Krankenhaus ist nur 50 km von ihrem Heimatort entfernt.
Simegn beendete die High School vor zwei Jahren und heiratete dann ihren jetzigen Mann, der in einem Büro der Regierung in ihrem Dorf arbeitete. Mit der Hochzeit begann für Simegn eine glückliche Familienzeit und mit demVergleichsweise guten Einkommen ihres Mannes konnte das Paar gut ihre Lebenshaltungskosten decken. Um das Glück perfekt zu machen, bekam Simegn  ihr erstes Kind bereits ein Jahr nach der Hochzeit.
Für Simegn war die gesamte Schwangerschaft keine leichte Zeit. Sie besuchte regelmäßig das Health Center für Check-ups und ließ sogar Ultraschall Untersuchungen machen. Mit der ärztlichen Empfehlung für eine natürliche Geburt kam Simegn, schon bei den ersten Wehen in die Klinik um dort betreut zu werden. Unerwartet dauerte die Geburt sehr lang. Der Fetus lag falsch herum und steckte im Becken fest. Nachdem ein Tag vergangen war, entschieden die Pflegerinnen Simegn in das Krankenhaus nach Bahir Dar zu verlegen, wo auch eines unsere Hamlin Center lokalisiert ist.
Die Aufnahme in dieser Klinik war rechtzeitig genug um sowohl das Leben der Mutter als auch des ungeborenen Kindes zu retten. Simegn gebar einen gesunden Sohn bei einer Zangengeburt, erlitt dabei aber eine recto- vaginale Fistel, die sie Stuhl- inkontinent machte.
Mit dem Verlegungsbrief von der staatlichen Klinik aus Bahir Dar, kam Simegn in das Außenzentrum, nachdem sie sich 3 Monate lang zuhause erholt hatte. Während ihres einmonatigen Aufenthaltes, wurde Simegn eine hoch qualitative Behandlung vom Hamlin-Team zuteil und die erste OP, die sie vor einer Woche bekam, heilte Simegn von der Verletzung, von der sie nie zuvor gehört hatte.
Simegn erklärt: „All die Frauen, die ich im Center kennen lernte, hatte nicht nur diese Verletzung erlitten, sondern auch nich ihr Baby verloren. Erst da verstand ich, was ich für ein Glück hatte, dass mein Baby überlebt hat. Was mich im Hamlin Center am meisten überrascht hat, war die bedingungslose mütterliche Fürsorge, die den Patienten unentgeltlich zuteil wurde. Ihr habt mir meine Würde und meine Familie zurück gegeben“.

Ayehu Arage

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Ayehu Arage kommt aus dem Hochland von Gonder. Sie ist geboren und aufgewachsen in einem kleinen bergigen Dorf,  einen Tag Fußmarsch bis zur nächsten Kleinstadt. Das Dorf liegt auf dem Hochplateau. Alles Bewohner kennen sich gut und sind häufig miteinander verwandt. Gesundheitseinrichtungen, Wasser, Transport und Strom sind dort völlig undenkbar.
Mit 17  heiratete Ayehu in einer arrangierten Ehe und lebte mit ihrem Mann in einem Dorf in der Nähe. Das kleine bergige Ackerland blieben für Ayehu und ihren Mann die einzige unzureichende Einnahmequelle. Aber da diese Art des Lebens für alle gleich war, führte Ayehu ein glückliches Leben. Sie war Mutter eines Sohnes, ein weiteres Kind starb als Baby.
Aber die dritte Schwangerschaft lief von Anfang an nicht gut. nach zwei Tagen Wehen fiel Ayehu ins Koma. Erst dann beschloss die Familie, sie in eine Klinik zu bringen. Auf einer selbstgezimmerten Trage wurde sie einen Tag lang zu Fuß in die nächste Klinik gebracht. Das Schaukeln auf der Trage beim Gehen bewirkte, dass das Baby tot geboren wurde.
In der Klinik hatten die Krankenschwestern Ayehu gesäubert und Medikamente gegeben, um sie aufwachen zu lassen. Am nächsten Morgen fand sich Ayehu voll Urin im Bett liegend.
„Als ich erfuhr, dass ich inkontinent bin, wurde eines meiner Beine auch gelähmt, ich begrub meinen Kopf zwischen denBeinen (die Art, in Äthiopien Trauer auszudrücken) und brach in Tränen aus. Ich war total hoffnungslos, obwohl die Krankenschwestern sagten, dass ich geheilt werden könnte“, erklärt Ayehu.
Drei Monate blieb Ayehu zu Hause und erholte sich. Sie war nicht in der Lage, sich selbst zu bewegen oder aufzustehen ohne die Hilfe ihres Mannes oder der Verwandten.
Vor etwa einem Jahr erreichte Ayehu das Außenzentrum in Bahar Dar. Die Reise dauerte sechs Stunden mit dem Pferd bis sie die Hauptstraße und den Bus erreichte.
Wie üblich erhielt Ayehu ganzheitliche Betreuung inklusive Physiotherapie für ihre Beinverletzung. Nach nur einem Monat war Ayehu völlig trocken  und ihr Bein erholte sich gut.
„Für mich war es etwas Außergewöhnliches Ich schlief in einem sauberen Bett, das leckere Essen, die freundliche und bedingungslose Pflege des Personals, die erfolgreiche Chirurgie …… alle diese Dienste kostenlos; Das ist Gottes Großzügigkeit. Ich wünsche allen Mitarbeitern ein ewiges Leben und bedanke mich herzlich für mein neues Leben“.
Ayehu ist jetzt wieder im Zentrum in Bahar Dar, schwanger mit ihrem ersten Baby nach der Operation und wartet auf ihre sichere Geburt durch Kaiserschnitt.
Ayehu ist so glücklich, dass sie einen fürsorglichen und unterstützenden Mann hat, der sich die ganze Zeit um sie gekümmert hat – auch als es ihr sehr schlecht ging.

Ostern mit „Emmaye“ Dr. Catherine Hamlin

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Wie jedes Jahr in den letzten 4 Jahrzehnten feierte Dr. Catherine Hamlin den Tag mit allen Mitarbeiterin einer spirituellen Weise.
Das diesjährige Ostern wurde am vergangenen Donnerstag Nachmittag gefeiert. Wie immer an einem hellen sonnigen Tag, der die Veranstaltung attraktiver machte. Dr. Catherine Hamlin begrüßte alle Angestellten und dankte für die Arbeit und Hilfe, die sie bei der Unterstützung der armen Frauen, die unter verheerenden Geburtsverletzungen leiden, gezeigt haben.
Chöre, Bibellesung und spirituelle Lehre von Kirchenlehrern waren Teil des Ereignisses.
Der CEO, Dr. Tesfaye, unser Ärztlicher Direktor Dr. Fekade, Dr. Catherine Hamlins enge Freunde und Mitarbeiter aus Hamlin-Einrichtungen in Addis waren anwesend.

Yitatek Asnakew

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Yitatek wurde vor 25 Jahren in einem kleinen Dorf in der Provinz Wollo geboren, wo sie auch verheiratet ist. Das Dorf liegt 2 Stunden Fußmarsch entfernt vom nächsten Marktflecken, wo es ein Health Center gibt. Die Dorfleute machen sich zweimal die Woche auf den Weg um ihre Produkte zu verkaufen und um einzukaufen wie z. B. Kerosin, Salz usw.

Yitatek schätzt, dass sie mit etwa 12 Jahren verheiratet wurde. Wie die meisten Mädchen, hat auch sie niemals eine Schule besucht. Sie wünschte sich nur erwachsen zu werden, an einen wohlhabenden Mann verheiratet zu werden und besser zu leben als ihre Eltern.

Traditionell arbeitet der Mann auf den Feldern, während Yitatek den Haushalt managte, kochte, wusch, Wasser und Feuerholz holte usw. Yitatek war mit ihrem Leben zufrieden, bis zu ihrer ersten Schwangerschaft, bei der sie eine Geburtsfistel bekam.

Yitatek schätzt, dass sie mit etwa 15 Jahren schwanger wurde. Die Schwangerschaft verlief problemlos, obwohl sie nie Kontakt mit einer Hebamme oder einem Arzt hatte. Gemäß der traditionellen Norm bringen Frauen ihre Kinder im Haus ihrer Mütter zur Welt. Sie hatte 6 Tage lang Wehen und unerträgliche Schmerzen, bis der Fötus schrumpfte und normal geboren wurde. Yitatek hatte eine Totgeburt und war danach inkontinent, ein schrecklicher und bedrohlicher Zustand, von dem sie noch nie etwas gehört hatte.

Für Yitatek schien die Verletzung unheilbar und zu schamvoll um darüber zu reden. Deswegen blieb sie im Haus der Mutter ohne nach einer Lösung zu suchen. Um diese Zeit trennte sich ihr Mann von ihr und heiratete eine andere Frau.

Nach einem Jahr in Isolation und ohne soziale Kontakte kam vor etwa 5 Jahren ihr Bruder zu Besuch, der in der Nähe von Bahr Dar lebt und von dem Außenzentrum in Bahr Dar im Radio gehört hatte.

„Die ganze Zeit erzählten mir die Dorfleute, dass alles meine Schuld war. Ich hasste mich und versuchte mehrmals mich umzubringen. Das hat meine körperliche Erscheinung geprägt und ich sehe älter aus als ich bin“ erklärt Yitatek.

Wegen der starken Zerstörung der Blase, war die erste Operation nicht erfolgreich. Yitatek wurde entlassen mit einem Termin für eine erneute Operation, doch sie erschien nicht.

Sie hatte die Hoffnung aufgegeben und lebte weitere 5 Jahre mit diesem Schicksal. Auch hatte sie keine Unterstützung von Verwandten, die sie auf der Reise begleitet hätten. Das trug dazu bei, sich in ihr Schicksal zu ergeben.

Ihr anderer Bruder, der erst kürzlich von Yitateks Zustand erfuhr brachte sie vor 5 Monaten in das Fistula Hospital in der Hauptstadt.

Weil ihr Fall schwierig war, blieb Yitatek zunächst einige Monate mit verschiedenen anderen Behandlungen bis sie vor 2 Wochen eine erfolgreiche Harnableitung hatte und jetzt vollkommen trocken ist.

„Ich bin so glücklich, dass ich jetzt trocken bin und diese 6 Jahre voll Schande endlich vorbei sind. Ich bete für alle, die mir geholfen haben. Das ist das einzige, was ich tun kann“

 

 

 

 

 

 

 

Siraye Abebe

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Siraye ist 35 Jahre alt und in dem kleinen Dorf Debre Elias geboren und aufgewachsen.  Das Dorf liegt in der Provinz Gojjam etwa 3 Stunden Fußmarsch um den nächsten Ort zu erreichen, wo es ein Health Center, Transport, Elektrizität usw. gibt.

Im Alter von 10 Jahren wurde sie verheiratet und lebte mit ihrem Mann im gleichen Dorf wie ihre Eltern. Sie hatte noch nicht ihre Kindheit beendet und das Leben mit der neuen Familie stellte eine große Herausforderung dar, an die sie sich mit der Zeit gewöhnte.

Wie überall im ländlichen Äthiopien bestimmt die Regenzeit den Jahresrythmus der Bauern. Siraye half bei der Feldarbeit und musste sich auch um Haushalt und Essen kümmern. Von frühen Morgen bis zum späten Abend war sie sehr beschäftigt. Da sie kein anderes Leben kannte, war Siraye trotz allem glücklich bis zu ihrer ersten Schwangerschaft.

Vor etwa 17 Jahren wurde Siraye zum ersten Mal schwanger. Das waren sehr gute Neuigkeiten für die Familie, die an Traditionen glaubte. Frauen sollen heiraten und viele Kinder gebären. Obwohl Siraye niemals ein Health Center besuchte, verlief ihre Schwangerschaft ruhig und problemlos.

Als die Wehen begannen, waren ihre Mutter und erfahrene Dorffrauen bei ihr. Doch die Wehen dauerten und verursachten Siraye sehr große Schmerzen. Nach einer Woche brachte die Familie sie endlich in die nächste Klinik.

Sirayes Zustand war sehr ernst und konnte dort nicht behandelt werden, deshalb wurde sie in das nächstgrößere Krankenhaus gebracht. Die Wehen waren lebensbedrohlich und die Ärzte versuchten alles, um ihr Leben zu retten. Mit einem Kaiserschnitt holten sie das tote Baby, Siraye überlebte doppelt inkontinent und mit einer Fußheberschwäche. Die Trauer über das tote Baby und ihren Zustand war sehr groß, so etwas hatte sie noch nie erlebt.

Das Schlimmste stand ihr aber noch bevor. Zurück in ihrem Dorf, wollte ihr Mann nichts mehr von ihr wissen und verstieß sie. Von ihrer Familie kümmerten sich nur ihr Bruder und seine Frau um sie.

„als alle meine Kleider und sogar die Kuhhaut, auf der ich schlief, vollgesogen waren mit Urin, nahm ich einen Stock, packte alles in eine Plastiktüte und ging langsam und versteckt zum Bach, um mich und alles zu waschen. Alles musste heimlich geschehen, sonst hätten es die Dorfleute nicht erlaubt.“ erzählte sie.

Auch nach der Überweisung in das Fistula Hospital in Addis Abeba dauerte es 5 Jahre bis sie dort ankam. Sie hatte kein Geld und niemanden der sie begleiten wollte. Wie die meisten Menschen im ländlichen Äthiopien wusste Siraye nicht, wie sie die Hauptstadt erreichen sollte und fürchtete, verloren zu gehen. Nach fünf Jahren des Traumas brachte sie endlich ein Cousin, der in Addis Abeba lebte, vor 12 Jahren in das Fistula Hospital.

Da Sirayes Blase durch die verlängerten Wehen so zerstört war, konnte die Operation die Inkontinenz nicht stoppen. Nach über 15 Jahren konnte Siraye endlich geheilt werden, nachdem vor einigen Wochen eine Harnableitung gemacht wurde. Jetzt ist sie trocken und glücklich und wartet darauf, nach Hause zurück zu kehren in voller Würde.

„Das Unmögliche wurde möglich gemacht, ich bin wieder trocken und muss mich nicht mehr schämen. Mein größter Dank gilt Dr. Hamlin, die mir und den anderen Patientinnen wie ein Engel gesandt wurde, außerdem danke ich allen Mitarbeitern, die mich mit ihrer freundlichen Art und Liebe zu einem Teil der Familie hier gemacht haben.“

Zurück in ihrem Dorf wird Siraye jetzt zur Hamlin Botschafterin, die alles, was sie während ihres Aufenthaltes gelernt hat, an die anderen Frauen weitergeben will.