Nitsu Kinde – junge Mutter

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Nitsu ist im Gegensatz zu vielen anderen ein Stadtkind. Aufgewachsen in einer der größeren Stadt mit relativ guter Gesundheitsversorgung ging sie zur Schule bis zur 10. Klasse. Da sie nicht studieren konnte, brach sie die Schule ab und heiratete mit 18 Jahren.
Sie kannte ihren Mann schon länger und liebte dieses Leben als Hausfrau für den Haushalt verantwortlich zu sein und ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen.Nitsu bedeutet „sauber“ auf Amharisch und sie führten ein sauberes Leben, zum vollkommenen Glück fehlte nur noch ein Kind. Geburtsfistel war ein Fremdwort, das Nitsu noch nie gehört hatte.
Nach 2 Jahren Ehe wurde sie endlich schwanger und sie war überglücklich. Sie begann sogleich mit der Schwangerschaftsvorsorge in dem nahegelegenen Health Center, das nur wenige Schritte entfernt war. Alles verlief normal bis zum Geburtstermin.

Als es soweit war brachte ihr Mann sie in das Health Center und die Wehen begannen. Nitsuh bemerkte, dass etwas nicht stimmte und hatte 3 Tage lang Wehen. Die Leute dort verstanden nicht, dass sie verlängerte Wehen hatte und ermunterten sie zu pressen bis sie nicht mehr konnte. Erst dann überwiesen sie Nitsuh in ein Krankenhaus.  Dort gebar sie ein totes Kind. Ihr Mann und die ganze Familie waren geschockt und brachten sie nach Hause um zu trauern. Nitsuh ging es gesundheitlich immer schlechter, 3 Tage konnte sie Urin lassen, deswegen riß die Blase und sie wurde inkontinent.

Die Familie versuchte 3 Monate lang ihr zu helfen. Sie besuchten mehrere Ärzte bis sie endlich jemand in das Bahr Dar Außenzentrum überwies. Ihr Mann verlor keine Zeit und besuchte Nitsuh jeden Tag, bis er sie wieder glücklich und geheilt mit nach Hause nehmen durfte.

Dr. Bitew, der Arzt des Bahr Dar Zentrums, konnte ihr schnell helfen und nach wenigen Wochen war sie geheilt und trocken.
Nach einem Jahr kehrte Nitsuh zurück, aber dieses Mal um ihr erstes Kind zur Welt zu bringen und das Familienglück zu vollenden.

Workabeba Kerebih – Hebamme

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Workabeba Kerebih ist eine der neuen Hebammen, die im Oktober 2015 ihre Prüfung abgelegt haben. Sie ist 23 Jahre alt und kommt aus Mecha in der Amhara Region. Seit 2 Monaten arbeitet sie im Birakat Health Center. Während ihrer Ausbildung betreute sie 76 sichere Geburten.  Sie ist mit großem Eifer bei der Arbeit und hat glücklicherweise eine ältere Hebamme bei sich. So konnte sie sich schnell einarbeiten. „Ich hungere direkt danach, so viele Geburten wie möglich zu betreuen. So kann ich viele Leben retten.“

Wir wünschen ihr einen guten Start.

Banchiw Ashagre – junge Mutter

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Banchiw ist 35 Jahre alt und kommt aus einem kleinen Dorf in der Amhara Region. Sie wurde dort geboren und mit 16 Jahren verheiratete ihr Vater sie an einen Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hatte.

Zuerst war es für sie sehr schwer mit allen den vielen Pflichten einer Ehefrau klar zu kommen und sie war gezwungen alles neu zu lernen. Ihr Mann arbeitete schwer und sorgte mit einer kleinen Farm für das Familieneinkommen. Ihre traditionelle Rolle war der Haushalt und möglichst viele Kinder zu gebären. Bevor sie eine Geburtsfistel bekam, hatte sie schon 4 mal geboren, aber 2 Kinder starben und ihre Töchter waren 10 und 7 Jahre alt.
Eine Geburtsfistel war nichts Neues für Banchiw. Sie hatte schon geheilte Frauen in ihrem Dorf gesehen, sich aber nie große Gedanken darüber gemacht, bis sie selbst davon betroffen war.
Alle ihre Kinder wurden zuhause ohne medizinische Hilfe geboren, auch die 5. Geburt lief so ab. Aber dieses Mal war es nicht so einfach. Banchiw hatte 2 Tage lang Wehen und unsägliche Schmerzen.

Banchiw lebt weit entfernt von dem nächsten Krankenhaus und die Familie sah keine andere Lösung als für sie zu beten. Am zweiten Tag verspürte sie etwas Erleichterung, als ihr totes Baby ausgetrieben wurde. Sie war sehr traurig, weil schon ihr drittes Kind gestorben war, aber sie fühlte auch, dass diese seltsame Nässe zwischen ihren Beinen unkontrollierbar war. Sie hoffte, es würde bald besser werden und erzählte ihrer Familie zunächst nichts. Die Familie war sehr besorgt über Banchiw und kam zusammen, um über eine Lösung zu beraten. Von einer geheilten Patientin hörten sie von dem Außenzentrum in Bahr Dar.

Nach 3 Monaten Leiden erreichte Banchiw das Außenzentrum in Bahr Dar zum ersten Mal. Es dauerte nur einen Monat, sie zu heilen und ihre Würde wieder herzustellen. Sie kehrte vollkommen geheilt und trocken in ihr Dorf zurück. Das war vor 3 Jahren.

Jetzt ist Bachiw zurück gekommen. Sie war im 8. Monat schwanger und wurde von wenigen Wochen per Kaiserschnitt von einer  gesunden Tochter entbunden.  „Hier wurde mein dunkles Leben wieder erhellt. Ich wurde von dieser unsäglichen Krankheit geheilt und habe jetzt eine wunderschöne Tochter. Ich kann nur allen Mitarbeitern von ganzem Herzen danken“

Geschichte von Medina

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Medina hat mit 17 Jahren geheiratet. Inzwischen ist sie 25 Jahre alt und hat 5 Jahre im Fistula Hospital gelebt.

Sie hatte sowohl eine vesicovaginale Fistel (zwischen Blase und Vagina) als auch eine rektovaginale Fistel (zwischen Enddarm und Vagina). Mit großem Glück hat sie, nach drei Tagen Wehen, die Geburt überlebt, aber ihr Baby starb dabei.

Verkrüppelt und unfähig zu laufen, lag sie auf ihrer Matte in einer kleinen Hütte. Es gab kein Health Center oder Krankenhaus in der Nähe. Medinas Familie konnte nur beten und sie trösten. Als die anderen Dorfbewohner ihren Zustand sahen, meinten sie, die Familie sei verflucht. Auch Medinas Mann wartete keinen Monat, bis er sich scheiden lies und eine andere heiratete.

Nach drei langen Monaten hörte Medinas Mutter, dass es Heilung gab. Eine Freundin hatte ihr vom Hamlin Fistula Hospital erzählt. Es dauerte lange, das Geld für die Busreise zu sparen. Ein Familienmitglied musste sie begleiten und tragen. Auch verlangte der Busfahrer einen höheren Fahrpreis, als er ihren Zustand sah.

Sie kam im Krankenhaus an, untergewichtig und unfähig zu laufen. Nach 9 Monaten Krankengymnastik konnte sie wieder ohne Hilfe alleine gehen. In den letzten 5 Jahren wurde sie mehrfach operiert und ist jetzt bei besserer Gesundheit.

In Desta Mender erhielt sie eine Berufsausbildung und konnte einen kleinen Laden in Meraro eröffnen. Das ist eine Kleinstadt in der Nähe ihres Dorfes. Sie lebt jetzt von ihrem eigenen Einkommen.

Sie sagt: “ Das Fistula Hospital hat mir geholfen, wo ich unerwünscht war. Man hat mir geholfen, meine Fähigkeiten entwickelt und mir Geld für einen Berufsstart gegeben. Ich kann meine Dankbarkeit nicht genug ausdrücken.“