Prolaps Kampagne am Internationalen Frauentag

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Workinesh Simegn schätzt, dass sie jetzt 60 Jahre alt ist. Sie hat vier Kinder und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Gondar. Nach ihrer vierten Geburt, vor etwa 30 Jahren, hatte sie einen Beckenorganprolaps (POP), einem geburtsbedingten Problem, bei dem die Gebärmutter aus dem Körper austrat, was zu Infektionen, schlechtem Geruch und manchmal zu Inkontinenz sowie Defäkation führte. „Deshalb ließ ich mich scheiden und gab das Weltleben auf. Ich wurde Nonne in der äthiopischen orthodoxen Kirche, mein ganzes Leben bis jetzt.“

Workinesh hält sich seit fast 30 Jahren am geistigen Leben und betet Tag und Nacht mit dem offiziellen religiösen Titel „Emahoy“. Es ist ungewöhnlich, wenn eine Frau in jungen Jahren zu Emahoy wird. Dies war für Emahoy Workinesh die beste Möglichkeit, ihren Gesundheitszustand zu verbergen und auf der Suche nach Heilung durch Gott zu beten, was für sie die einzige Möglichkeit der Heilung schien.

Am 8. März 2019, dem Internationalen Frauentag, fand im Hamlin Fistula Center in Bahir Dar eine zweiwöchige Kampagne statt. Bei 33 Landfrauen, darunter auch Emahoy Workinesh, wurde eine Operation und die Behandlung im gut eingerichteten Hamlin Fistula Center erfolgreich durchgeführt.

Dr. Bitew, der leitende Fistel-Chirurg im Fistula Hospital in Bahir Dar, Dr. Yeshineh, ein leitender Chirurg aus der Zentrale Addis Abeba, ein Operationsteam aus Spanien und alle Mitarbeiter des Zentrums waren am erfolgreichen Abschluss der Kampagne beteiligt. „Kampagnen sind normalerweise langweilig und erfordern viel gemeinsame Anstrengungen. Wir haben unsere äußerste Energie eingesetzt und stolz mit 100% Erfolg abgeschlossen. Wir haben auch die Qualität der Behandlung unter Beweis gestellt, für die HFE bekannt ist, und vor allem freue ich mich, dass das Lächeln zu diesen Frauen zurückgekehrt ist.“

HFE behandelt nun geburtsbedingte Fisteln und Prolaps Patientinnen, einer Geburtsverletzung mit ähnlich traumatischer Wirkung wie bei Fisteln. Dieselben Kampagnen werden in allen Outreach-Zentren durchgeführt und laufen wie geplant weiter. „Die Regierung, insbesondere das Gesundheitsministerium, zieht es vor, dass die Kampagne in Hamlin-Einrichtungen durchgeführt wird. Der Grund ist, dass wir den Qualitätsservice in unseren voll ausgestatteten Einrichtungen und vor allem unseren erfahrenen Chirurgen und Ärzteteams unter Beweis stellen können.“ sagt Dr. Fekade, der medizinische Direktor.

Das Fistula Hospital hat es durch unermüdliche Anstrengungen geschafft, dass die Müttersterblichkeit in Äthiopien sehr stark zurück gegangen ist. Immer mehr Frauen entbinden jetzt mit Hilfe der Hebammen. Deswegen sank auch die Zahl der Fistel Patientinnen. In entlegenen Gebieten gibt es zwar immer noch Fisteln, aber insgesamt hat sich die Situation stark gebessert. Dr. Fekade und Dr. Renate Röntgen operieren nach wie vor die schwierigen Fälle. Leichtere Fisteln werden in den Außenzentren und auch zunehmend in Regierungskrankenhäusern operiert.

Viele neue Fisteln entstehen durch unsachgemäße Kaiserschnitte. Hier gilt es, ein Augenmerk auf die Verbesserung der Ausbildung von Ärzten und Health Officern zu legen.

Es gibt jetzt Programme zu Heilung von Gebärmuttersenkungen, die inzwischen häufiger vorkommen als Geburtsfisteln.

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Enat Demissie – Patientin in Bahir Dar

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Enat Demissie stammt ursprünglich aus einem abgelegenen Dorf im bergigen Nordäthiopien. Subsistenzlandwirtschaft ist die einzige Lebensquelle für die ganze Familie. Enat hütete die Tiere und unterstützte ihre Mutter zu Hause. Das Dorf ist sehr klein ohne soziale Einrichtungen, wie Schule oder Arzt. Der nächstgrößere Marktflecken ist über eine Stunde Fußmarsch entfernt. Enat hat nie eine Schule besucht, sie ist vollkommene Analphabetin. Mit 17 hat sie einen sehr viel älteren Bauern in einer arrangierten Ehe geheiratet. „Ich war begeistert von der Ehe, denn dies ist das Lebensziel aller jungen Mädchen in meinem Dorf.“, erinnert sie sich. Enats erste Schwangerschaft zwei Jahre nach der Hochzeit war für alle eine gute Nachricht. Aber die Schwangerschaft war kompliziert.
Traditionell ging Enat zu ihrer Mutter, um dort zu entbinden. Ihre Mutter hatte alles Notwendige vorbereitet, um das Neugeborene willkommen zu heißen. Die allgemein bekannte Praxis im Dorf ist die Hausgeburt, die von traditionellen Hebammen unterstützt wird. So wurde Enat geboren und so wollte auch sie ihr Kind zur Welt bringen.
Die Wehen dauerten insgesamt drei Tage, einen ganzen Tag zu Hause und zwei Tage im Krankenhaus, wo sie schließlich ein totgeborenes Baby durch Kaiserschnitt gebar. „Nach den lebensbedrohlichen Wehen habe ich zumindest überlebt. Aber ich verlor mein erstes Baby und sah mich solchen einer traumatischen Verletzung gegenüber. Es war schwer für die ganze Familie.“.
Für Enat und ihre Familie war die Inkontinenz eine Folge der langen Wehen und würde nach einiger Zeit von selbst aufhören. Sie wurde nach Hause gebracht und wartete. Es zeigen sich keine Veränderungen und der Urin tröpfelte weiter. Dies dauerte fast fünf Jahre. „Die fünf Jahre waren eine Qual. Ich habe mich scheiden lassen, ich hatte Angst, mich mit Freundinnen zu treffen. Den ganzen Tag verbrachte ich einsam und isoliert. Die ganze Familie war tief traurig.“
Vor einem Jahr erfuhr Enat zufällig von dem Fistula Center in Bahir Dar. Sie konnte jedoch nicht früher ins Zentrum kommen, weil ihre Eltern zu arm waren, um ihr beim Transport zu helfen. Es dauerte fast ein Jahr, bis es ihr gelang, Geld für die Busfahrkarte zu sparen. Anfang letzten Januar kam sie schließlich im Zentrum an. Durch die ganzheitlichen Behandlung, wurde sie nach der ersten Operation völlig trocken. „Dieses Problem hatte auch meine Beziehung zu Gott aufgelöst. Ich bin eine Muslima, die mit Inkontinenz nicht beten konnte. Nach der Heilung war mein erstes Gebet. Ich dankte Allah für seine Hilfe bei der Heilung. Ihr habt das Unmögliche möglich gemacht und erlaubt mir, wieder zu leben. Vielen Dank für Ihre Großzügigkeit.“

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Lingerish Tadesse – Köchin im Juniper Cafe in Desta Mender

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Rückblick von Ligerish:

Lingerish stammt aus einem abgelegenen Dorf im bergigen Nordäthiopien bei Gonder. Die traditionelle Landwirtschaft auf kleinem Ackerland ist die einzige Lebensquelle für die ganze Familie. Keines der Kinder, einschließlich Lingerish, hatte die Schule besucht. In ländlichen Gebieten Äthiopiens ist die Verantwortung der Kinder in der Familie klar geregelt. Jungen werden zuerst Hirte, danch als Bauern ausgebildet, genau wie ihre Väter und Urgroßväter. Mädchen helfen ihren Müttern zu Hause, bis sie in einer arrangierten Ehe heiraten, meistens im Teenageralter. Dasselbe passierte Lingerish und ihren Geschwistern. Ihre Ehe mit 14 mit einem Ehemann, den sie nie gesehen hatte, war eine gute Nachricht für sie und die Familie. Sie war erst 15 Jahre alt, als sie zur Geburt zu ihrer Mutter ging.
Zum Stichtag befanden sich ihre Mutter und die traditionelle Geburtshelferin des Dorfes direkt bei Lingerish, um sie zu ermutigen. Aber die Wehen dauerten unerwartet lange und sie fiel in einen komatösen Zustand. Niemandem, auch der traditionellen Geburtshelferin, war bewußt, das Lingerish nicht auf natürliche Weise gebären konnte.

Nach zweieinhalb Tagen wurde Sie zu Fuß und mit dem Bus in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Im Krankenhaus erhielt Lingerish einen Kaiserschnitt, aber das Baby war schon abgestorben und hatte sie schwer verletzt. (Geburtsfistel-Inkontinenz und einer Nervenverletzung die in das Bein ausstrahlte) „Ich hatte noch nie ein solches Problem in meinem Leben. Ich war schockiert und schämte mich meiner selbst.“ sagte Lingerish.

Überweisung ins Fistula Hospital

Lingerish blieb zwei Monate im Krankenhaus und wurde dann an das Addis Abeba Fistula Hospital, überwiesen. „Als ich im Krankenhaus ankam und andere Frauen wie mich sah, war ich erleichtert und als ich Emayye (Dr. Catherine Hamlin) im Operationssaal traf, wurde ich hoffnungsvoll. Aber es geschah nicht so, wie ich wollte. Aufgrund der schweren Verletzung, die ich hatte, war die erste Operation von Emayye nicht erfolgreich. Mit der mütterlichen Sorgfalt, die ich fast ein Jahr lang erhalten hatte, erholte ich mich von meiner Beinverletzung, lernte viele Fähigkeiten im Umgang mit mir selbst und all dies ermöglichte es mir nicht aufzugeben.“

2. OP war erfolgreich, aber eine längere Unterbringung in der Reha war notwendig

Nach einem Jahr Krankenhausaufenthalt wurde Lingerish mit einem Termin für die zweite Operation entlassen. Sie kam nach einem Jahr zurück und erhielt die letzte Umleitungsoperation und wurde total trocken. Trotzdem benötigte sie weitere Unterstützung. Nach der Operation wurde Lingerish für das Rehabilitationstraining bei Desta Mender zugelassen und besuchte verschiedene lebens- und betriebswirtschaftliche Schulungen.

„Ich durfte in Desta Mender wohnen und arbeitete in verschiedenen Bereichen wie Milchviehbetrieb, Hühnerfarm und Gemüsefarm. Ich ging  vier Jahre dort zur Schule.“ sagte Lingerish.

Lingerish arbeitet inzwischen im Juniper Café (Seminar- und Tagungscafe in Desta Mender) und hat dadurch ihr eigenes monatliches Einkommen, um zu leben. Sie zog auch vor einem Jahr von Desta Mender aus und begann ein unabhängiges Leben in einem gemieteten Haus in der Nähe von Desta Mender.

Lingerish sagt:
„Ich habe das Glück, von ihren Händen behandelt zu werden, Emayye (Dr. Catherine Hamlin) ist alles für mich. Sie begrüßte mich mit bedingungsloser Liebe, verbarg meine Schamgefühle und gab mir das Leben zurück. Und all dies ist kostenlos, wer wird das tun, außer Gott. Ich wünschte, ich könnte ihr mein Alter geben und damit sie ewig lebt.

Hana Tilahun- Hamlin-Hebamme im Jarso Health Center

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Hana ist 24 Jahre alt und kommt aus Babile, einer Kleinstadt in Ost-Äthiopien, 30 km entfert vom Harar Hamlin Fistula Center. Ihre hervorragenden Leistungen beim Abitur und ihr Interesse daran, im Gesundheitswesen für Mütter und Kinder tätig zu sein, machte sie für die Teilnahme am kostenlosen Stipendienprogramm der Hamlin Hebammenschule sehr geeignet.
Nach vier Jahren intensiver Ausbildung erhielt Hana 2016 das Abschlussdiplom als Absolventin des sechsten Hebammen-Jahrgangs. „Nur weil ich hier ausgebildet wurde, bin ich eine Hebamme, die besonderes Augenmerk auf die Vorbeugung von Geburtsfisteln legt. Ich liebe meinen Beruf und freue mich, dass ich meiner Gemeinschaft sowie den Müttern diene, die mich hier aufsuchen.“
Hana hat während ihrer vierjährigen Studienzeit an der Schule mehr als hundert Geburten sicher begleitet und in ihrem fast zweijährigen Arbeitsleben am staatlichen Gesundheitszentrum Jarso fast eintausend sichere Geburten durchgeführt. Diese Regierungsklinik gilt inzwischen als die beste in ihrer mütterlichen Gesundheitsversorgung in der Regionalregierung. Der Löwenanteil dieser Leistung gebührt den die vier Hamlin-Hebammen, die dort gearbeitet haben oder derzeit arbeiten. Hana und ihre Kollegin bemühen derzeit sehr um die Aufrechterhaltung des hohen Standards der Klinik.
„Dr. Catherine Hamlin ist mein Vorbild für positive Energie zur Unterstützung der Ärmsten. Ich wünsche ihr ein langes und gesundes Leben. Ich möchte mich bei den Lehrern an der Schule und den Hausmüttern herzlich dafür bedanken, dass sie meinen Beruf und meine Persönlichkeit geformt haben.“

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Neima Abdulnasir – 15 Jahre

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Neima ist die zweitjüngste aus der fünfköpfigen Bauernfamilie. Neima und ihre vier Geschwister sind die glücklichen Überlebenden der sieben Hausgeburten, die ihre Mutter bisher hatte. Zwei Babys starben bei der Geburt. Das Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, liegt etwa 100 km von der Hauptstraße entfernt von dem Außenzentrum in Harar. Die Gegend ist sehr gebirgig, deswegen gibt es keinerlei Infrastruktur und auch kein Health Center. Alle Dorfbewohner leben sehr traditionell. Neima weiß nicht genau, wie alt sie ist. Wie ihre Altersgenossen verbrachte auch sie ihre Kindheit mit der Betreuung von Familientieren und half ihrer Mutter zu Hause. Dies ging so lange weiter, bis sie etwa mit 14 einem Mann übergeben wurde. In der ganzen Familie hatte nur ihr Bruder die Chance zur Schule gehen.
Nach der Hochzeit begann Neima ein unabhängiges Leben an einem neuen Ort in der Nähe ihres Dorfes. Und sie wurde sofort schwanger. Als sich der Geburtstermin näherte, kam sie zur Entbindung zu ihren Eltern zurück. „Ich habe nie daran gedacht, während der Schwangerschaft zur Vorsorge zu gehen, weil es im Dorf nicht üblich war. Drei Stunden auf dem steilen Weg zu laufen, um das nächste Health Center zu erreichen, war mühsam. Wie meine Mutter sollte ich zu Hause gebären, unterstützt von der traditionellen Geburtshelferin unseres Dorfes.“
Am Tag der Entbindung dauerten die Wehen lange. Obwohl sie umgehend professionelle Hilfe benötigt hätte, musste Neima zwei Tage in den Wehen bleiben, bis alle lokalen Medikamente aufgebraucht waren. Keines war hilfreich. Eine weitere Herausforderung, die einen weiteren Tag in Anspruch nahm, war die Beförderung von Neima in Richtung der nächsten Regierungsklinik, die auf einer in der Region hergestellten Bahre getragen wurde. Aufgrund der Komplikationen, in denen sie sich befunden hatte, wurde sie in das Regierungskrankenhaus von Harar verlegt, wo das Außenzentrum im Osten liegt. Nach vier Tagen brachte Neima schließlich ein totes Baby durch eine Operation zur Welt. „Als ich aufwachte, erfuhr ich die traurige Nachricht, mein erstes Baby zu verlieren. Es war herzzerreißend, aber die Erleichterung, dass die schmerzhaften Wehen aufhörten, war die gute Seite. Ich blieb eine Woche mit Katheter im Krankenhaus und als er entfernt wurde, konnte ich den Urin nicht mehr kontrollieren. Ich wurde dann aus dem Krankenhaus entlassen und hoffte, dass dies aus den langen Wehen resultierte und bald aufhören würde.“
Zurück in der Heimat wartete Neima zwei Monate lang auf Heilung, aber das Problem blieb bestehen. Ihr besorgter Vater brachte sie zurück in das Krankenhaus, das sie zuerst besucht hatte. Die Ärzte wussten, dass Neimas eine Fistel hatte, und überwiesen sie in das benachbarte Harar Hamlin Fistula Center. Sie wurde dort untersucht und entlassen mit der Nachricht, nach drei Monaten wieder zu kommen. Neima verbrachte diese drei Monate bei Verwandten, die in der Nähe wohnten.
Im vergangenen Oktober war Neima wieder im Außenzentrum Harar angekommen und wurde für die Operation vorbereitet. „Wegen der Fistel wurde ich geschieden und mein Vater wurde von seinem Hof verdrängt, der die einzige Lebensquelle für die ganze Familie ist. Die Fistel hat meiner Familie schwer geschadet. Seit ich hier bin, hoffe ich auf Heilung.“
Ende Oktober 2018 wurde Neima erfolgreich operiert und ist seitdem vollständig trocken.

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