Mulu Addis – selbständige Kaffeehausbesitzerin!

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Mulu Addis ist 35 Jahre alt und kommt aus Asossa, einer Kleinstadt in der Region Oromiya. Vor 15 Jahren kam sie zum ersten Mal ins Fistula Hospital.
In Asossa gab es eine Schule und eine Klinik. Trotzdem besuchte Mulu nie die Schule, sondern half ihren Eltern bis sie mit 19 Jahren einen Bauern heiratete und eine Familie gründete. Die Ehe verlief sehr glücklich und nach 2 Jahren wurde sie schwanger.
Während der Schwangerschaft nutzte Mulu häufig die Möglichkeit zur Schwangerenberatung. Die Wehen dauerten 2 Tage bis sie mit einem Krankenwagen in die nächstgrößere Klinik gebracht wurde. Sie war 2 Tage lang bewußtlos und bekam von dem Kaiserschnitt nichts mit.
„Als ich aufwachte, fand ich mich durchnässt und im Bad bemerkte ich, dass ich den Urin nicht kontrollieren konnte. Zuerst sagten mir die Krankenschwestern, dass es nach einer Weile aufhören würde, aber ich wußte, dass ich inkontinent bin und schrie „, erinnert sie sich.
Sie blieb zunächst 4 Monate zuhause bevor sie im Fistula Hospital in Addis Abeba ankam.
Ihre erste Operation vor 15 Jahren in unserem Krankenhaus war nicht erfolgreich und sie wurde für ein Jahr nach Hause geschickt.
„Ich habe über 10 Jahre lang ein schreckliches Leben mit Fisteln geführt. Ich habe meine Ehe, mein soziales Leben, mein Vertrauen, meine Würde und alles verloren. Zwischendurch habe ich auch meine Eltern verloren, was sehr schlimm war. Erst als ich anfing, vor vier Jahren mit Plug zu arbeiten, wurde es besser.“
Vor fünf Monaten kam Mulu wieder zurück und erhielt eine Harnableitung. Seitdem ist sie völlig geheilt und trocken.
„Hier habe ich auch verschiedene Fertigkeiten gelernt. Jetzt denke ich daran, besser zu leben. Zuhause habe ich ein kleines Kaffeehaus eröffnet. All dies wurde durch euch alle möglich gemacht. Danke, dass ihr mir mein Leben zurück gegeben habt“, erklärt Mulu.

Hawwa Amanu – Mutter von Zwillingen

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Keine Worte  können meine herzliche Dankbarkeit ausdrücken

Der muslimische Hawwa Amanu wurde vor etwa 30 Jahren in einem abgelegenen Dorf in der Nähe von Arsi in der Oromiya Region geboren. Oromiya ist die größte der neun Regionen Äthiopiens. Die traditionelle Landwirtschaft ist die Basis des Lebens für die Familie von Hawwa.
Da das Dorf ca. 5 Stunden zu Fuß von der nächstgelegenen Marktgemeinde entfernt ist, gibt es dort weder Strom noch Wasser und auch keine Gesundheitseinrichtungen. Die Frauen bringen ihre Kinder traditionell alle zuhause zur Welt.

Hawwa war etwa 15 Jahre alt, als sie einem Mann gegeben wurde, den sie nie zuvor gesehen hatte. Trotzdem verlief die Ehe zunächst sehr glücklich und liebevoll. Ihr fürsorglicher Ehemann arbeitete immer hart daran, sie glücklich zu machen.
Ihre Schwangerschaft im Jahr 2001 hatte dem Ehemann und der ganzen Familie große Freude bereitet und er begann mit der Vorbereitung, den Neuling zu begrüßen.
Die Geburt gestaltete sich schwierig. Sie hatte 2 Tage lang Wehen, ohne Fortschritte zu machen. Die Familie organisierte eine traditionelle Helferin, die Hawwa massierte, bis sie ins Koma fiel. Am Ende brachte man sie auf einer selbstgezimmerten Trage 5 Stunden lang in die nächste Klinik. Dort holte man per Kaiserschnitt ein totes Baby aus ihrem Bauch und ließ sie inkontinent zurück.
Hawwa blieb einen Monat bei ihren Eltern, bis ihre Mutter vom Fistula Hospital in Addis Abeba hörte. “ Nach der Geburt hatte ich Angst zu essen und zu trinken, ich verlor den Appetit und als ich vor 15 Jahren im Krankenhaus ankam, war ich zum ersten Mal unterernährt und nicht für die Operation geeignet. Die Hoffnung auf Heilung trieb mich dazu, in drei Monaten Gewicht anzufuttern, und als ich zurückkam, war ich gut erholt „, sagte Hawwa.

Hawwa wurde 2 Mal operiert, konnte aber nicht vollständig geheilt werden. „Nach dieser Verletzung wollte ich mich schon von meinem Mann trennen. Ich blieb bei meiner Mutter und hörte, dass er nach Saudi Arabien gegangen war, um dort zu arbeiten. Vor 3 Jahren erhielt ich die letzte und erfolgreiche Operation und war vollständig geheilt.“ erklärt Hawwa.

Die 3. Operation heilte Hawwa und sie begann mit ihrem Mann, der aus Übersee zurückgekehrt war, ihr glückliches Leben erneut. Im Jahr 2016 wurde sie wieder schwanger.
Zu der Zeit dieses Interviews war Hawwa wieder im Krankenhaus in Addis Abeba, aber diesmal schwanger mit Zwillingen und wartet darauf, in etwa einer Woche durch Kaiserschnitt zu gebären.

„Die Fistel hatte mein Leben völlig zerstört. Und jetzt hier bin ich total trocken, habe eine glückliche Familie und bin auf wundersame Weise mit Zwillingen schwanger. Keine Worte  können meine herzliche Dankbarkeit ausdrücken“ sagte Hawwa.

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Mitike Wajjira – Fistelpatientin

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Mitike Wajjira ist 30 Jahre alt und kommt aus der Region Oromiya.

Mit 14 Jahren heiratete Mitike einen Bauern und lebte mit ihm in einem kleinen Dorf im Westen Äthiopiens. Zu jung, einen Haushalt selbstständig zu führen, gewöhnte sie sich mit Hilfe der Familie aber schnell an die Rolle der Hausfrau. Sie verwaltete das Familieneinkommen und half ihrem Mann auch bei der Feldarbeit.

Das glückliche Leben dauerte 15 Jahre und Mitike bekam drei Kinder, 2 Töchter und einen Sohn, die inzwischen 15, 12 und 9 Jahre alt sind. Mitike bedauerte am meisten, dass sie selbst keine Schulbildung erhalten hatte und schickte deswegen alle Kinder in die Schule.

Mitikes bisherige Schwangerschaften verliefen alle problemlos und sie besuchte nie eine Gesundheitseinrichtung bei ihrer vierten Schwangerschaft, obwohl diese in der Nähe ihres Heimatortes war. Sie plante eine Hausgeburt – ohne Hebamme – wie gewöhnlich.

Aber leider verlief diese Schwangerschaft nicht wie die anderen. Sie hatte über 4 Tage lang Wehen, obwohl sie nach dem zweiten Tag schon in das nahe Krankenhaus gebracht worden war. Aber es war zu spät, um richtige Hilfe zu erhalten. Das tote Baby wurde mit einer Zange herausgeholt und verletzte dabei ihre Blase. Sie blieb inkontinent zurück, eine schlimme Situation für Mitike und die ganze Familie.

Auf der Suche nach Hilfe zögerte Mitikes Mann nicht, alles zu verkaufen, was er besaß: Das Land und die Kuh. Zwei Monate reisten Mitike und ihr Mann von einem Krankenhaus zu nächsten, ohne das ihnen jemand helfen konnte.

So langsam ging ihnen das Geld aus und Mitikes Mann wollte lieber weggehen, als jeden Tag in das traurige Gesicht seiner Frau zu schauen. Er ließ sie im staatlichen Krankenhaus in der Nähe des Dorfes und verschwand. Ihre Mutter und ein Onkel bettelten bei den Leuten im Dorf um Geld und brachten sie schließlich in das Addis Abeba Fistula Hospital.

Vor fünf Jahren erreichte Mitike das Krankenhaus und blieb 3 Monate lang. Sie wurde einmal erfolgreich operiert, obwohl noch immer eine leichte Blasenschwäche zurückblieb, da die Muskeln um die Blase herum sehr geschädigt waren. Um dies unter Kontrolle zu halten, benutzt Mitike einen Stöpsel, den sie gelernt hatte richtig zu gebrauchen.

Nach den guten Neuigkeit, entschuldigte sich ihr Mann und kehrte zur Familie zurück.

Seitdem besucht Mitike unser Krankenhaus jedes Jahr um den Stöpsel zu wechseln und für andere Check-ups. Jedesmal zeigte sich eine deutliche Verbesserung und nach und nach konnte sie wieder ihr gewohntes Leben führen.

Als sie uns kürzlich besuchte, konnten wir ihr mitteilen, dass sie den Stöpsel nicht mehr brauchen würde, da sie alle Anweisungen der Ärzte befolgt hätte und jetzt vollkommen geheilt sei.

„Dieses Problem hat beinahe mein ganzes Leben ruiniert, ich hatte alles verloren, auch meinen Mann und meine Fröhlichkeit, dank des Fistula Hospitals habe ich mein Leben zurück erhalten und nach 5 Jahren bin ich jetzt vollkommen trocken. Wie kann ich nur meinen Dank ausdrücken für alles, was sie für mich getan haben.Vielen Dank für Ihre Großzügigkeit.“

 

 

 

 

 

Tigist

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“Medde Jalelaa”, das bedeutet Quell der Liebe und ist der Name eines abgelegenen Dorfes in der Region Oromiya. Hier wurde die 16-jährige Tigist mit einem um etliche Jahre älteren Bauern verheiratet und gründete mit ihm eine Familie. In den Ort gab es weder Straßen, noch Elektrizität und auch keinerlei ärztliche Versorgung. Die nächste medizinische Einrichtung war 2 Stunden Fußmarsch entfernt.

Tigists Familie lebte ein sehr traditionelles Leben. Das jährlich geerntete “teff”, das traditionelle äthiopische Getreide, reichte gerade für die täglichen Mahlzeiten, aber nicht dafür, etwas für die Zukunft beiseite zu legen.

Bis zu ihrer ersten Schwangerschaft machte es Tigist neben ihrer Hausarbeit auch sehr viel Freude, ihrem Ehemann bei der Landwirtschaft zu helfen.

Tigist war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. Eine schwierige und sicher auch frustrierende Situation für so ein junges Mädchen. Während der 9-monatigen Schwangerschaft hatte Tigist nie die Möglichkeit, eine Gesundheitseinrichtung zu besuchen und so mußte sie, wie die anderen Frauen im Dorf, zu Hause gebären. Die einzige Hilfe, die sie hatte, war die ungelernte traditionelle Geburtshelferin des Dorfes.

Diese ältere Frau hat Erfahrung mit der traditionellen Art der Geburtshilfe und hat bereits vielen Frauen des Ortes während der Geburt beigestanden. Aber als Tigist in den Wehen lag, verstand diese Helferin nicht, daß etwas schief lief und es sich um eine Risikogeburt handelt. Sie ließ Tigist drei Tage lang pressen, dann waren alle ihre traditionellen Geburtshilfemethoden ausgeschöpft – keine davon hatte geholfen. Am dritten Tag fiel das Mädchen in ein Koma und nun beschloss der Ehemann, sie ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Im Krankenhaus konnten die Ärzte zwar das Leben von Tigist retten, das Kind jedoch wurde tot geboren und Tigist selbst erlitt eine Geburtsverletzung, die eine dauerhafte Inkontinenz verursachte.

Nachdem diese Geburtsverletzung nach drei Monaten immer noch nicht verheilt war, erhielt Tigist von dem Krankenhaus, das sie während der Geburt aufgenommen hatte, ein Referenzschreiben für eine weitere Behandlung am Addis Abeba Fistula Hospital.

Vier Jahre ist es nun her, daß sie 20 Tage lang im Fistula Hospital behandelt und vollkommen von der verheerenden Verletzung geheilt worden war. Ihr Ehemann, der ihr während der ganzen Zeit ihrer Verletzung und Inkontinenz zur Seite gestanden hatte, war überglücklich, sie danach wieder an seiner Seite zu haben.

“In dem Moment, als ich im Krankenhaus ankam und all die anderen Frauen traf, die jahrelang unter dem gleichen Problem litten wie ich, verstand ich, wie glücklich ich sein konnte, daß ich nur für eine so kurze Zeit zu leiden hatte und innerhalb von nur 20 Tagen geheilt werden konnte. Ich bin Gott und allen hier so dankbar!” erklärt Tigist.

Vier Jahre nach ihrer Fistelbehandlung kam Tigist nun wieder ins Fistula Hospital, diesmal im 8. Monat schwanger. Mit Hilfe eines Kaiserschnitts konnte sie vor einer Woche sicher ihr Baby zur Welt bringen und zum ersten Mal Mutter werden.

Etwa zwei Wochen wird sie nun nach der Geburt im Hospital bleiben, bis ihr Ehemann kommt, um sie und den neugeborenen Sohn abzuholen.

“Ich kann nicht gut meine wirklichen Gefühle beschreiben, aber ich kann versichern, daß ich immer für ein langes, gesundes Leben für all diejenigen beten werde, die hier arbeiten und mir halfen, meine Würde zurückzuerhalten und mich wieder zu einer Frau zu machen.”

Toleni Beyene

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Toleni ist 28 Jahre alt. Nach ihrer Hochzeit mit nur 15 Jahren siedelte sie zu ihrem Mann und seiner Familie über und lebte mit ihnen in einem kleinen Dorf, weit entfernt von der nächsten Kleinstadt. Dort gab es keine Straßen, Ärzte oder Elektrizität. Alles lag mindestens 4 Stunden Fußmarsch entfernt.

Da  die Familie hauptsächlich von Landwirtschaft lebte, arbeitete Toleni im Haushalt und verwaltete das geringe Familieneinkommen. Bei Bedarf arbeitete sie auch mit ihrem Mann auf den Feldern. Für diese schwere Arbeit war sie eigentlich noch viel zu jung. Aber sie gewöhnte sich daran und akzeptierte ihr Schicksal.

Toleni, die nie eine Schule besucht hatte, führte eine relativ glückliche Ehe und hatte bald 2 Kinder. Sie nahm aktiv am Leben in der Dorfgemeinschaft teil und verstand sich gut mit allen – bis sie eine schlimme Geburtsverletzung hatte. Eine Blasen-Scheiden-Fistel.

Toleni hatte innerhalb von 10 Jahren 2 Mal Geburtsfisteln. Das erste Mal im Alter von 16 Jahren bei ihrer ersten Schwangerschaft. Nach 3 Tagen Wehen wurde sie in die nächste Klinik gebracht, wo ihr Baby tot geboren wurde und sie eine Blasen-Scheiden-Fistel hatte. Nach 3 Monaten wurde diese in dem staatlichen Krankenhaus geschlossen und sie lebte wieder mit ihrer Familie.

Seitdem war Toleni 4 Mal schwanger, 2 Babies starben und 2 Kinder überlebten. Toleni hat eine Tochter von 9 Jahren und einen Sohn von 3 Jahren. Alle Kinder wurden zuhause entbunden.

Nach 10 Jahren wurde Toleni zum 5. Mal schwanger und sie entschloss sich in dem neuen Krankenhaus in der Nähe ihres Dorfes zu entbinden. Leider dauerten die Wehen wieder länger als einen Tag und endeten mit Totgeburt und Fistel.

Das Glück hatte die Familie verlassen und Frust machte sich breit. Nach 6 Monaten voller Depressionen machten sich Toleni und ihr Mann auf den Weg nach Addis Abeba zum Fistula Hospital. Eine Verwandte, die hier geheilt wurde, hatte Toleni davon erzählt.

Toleni war eine der ersten Patientinnen, die in dem neu renovierten OP operiert wurden. Schon nach 2 Wochen konnte sie geheilt wieder nach Hause zurückkehren.

„es ist immer noch schrecklich, an diese 6 Monate zurückzudenken, wo Urin den ganzen Tag meine Beine herunterlief. Ich saß nicht mehr mit meinen Nachbarinnen zum Kaffeetrinken oder ging auf den Markt. Ich war in mehreren Krankenhäusern bevor ich hierher kam. Hier fühlte ich mich nie alleine, alle waren immer sehr freundlich und hilfsbereit wie in einer großen Familie. Vielen Dank für alles.“