Train the Trainer – intensive 10 Tage bei ARENA

Die richtige Nutzung des endoskopischen Equipments, das uns für unser Partnerkrankenhaus ARENA von der Firma STORZ gespendet wurde, muss erlernt werden. Schließlich handelt es sich um Geräte, die normalerweise in Subsahara-Afrika in Krankenhäusern nicht zur Verfügung stehen. Anfang Februar fand deshalb ein zweiter Workshop in Ouagadougou statt, um die neue, für die Betreuung komplizierter Fisteln so wichtige Untersuchungstechnik in die tägliche Arbeit zu integrieren.

Wir entschieden uns, Dr. Fekade Ayenachew, zertifizierter Trainer der Weltorganisation für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) und Experte in Fistelchirurgie, den wir seit vielen Jahren von unserer Kooperation mit Hamlin Fistula in Äthiopien kennen und dort in endoskopischen Techniken ausgebildet haben, als Trainer einzuladen.

Inhalt sollte auch die Erstuntersuchung der Patientinnen sein, inklusive Ultraschall, um die Behandlungspfade mit den neuen Möglichkeiten im Krankenhaus zu erarbeiten. Außerdem stand das perioperative Management von komplizierten Fisteln sowie Indikation und Durchführung von Senkungsoperationen auf dem Programm. Natürlich waren auch Fortbildungen für das Pflegepersonal geplant. Wir koordinierten den Besuch kurzfristig mit einem Einsatz für die FIGO, in dem Dr. Fekade beurteilen sollte, ob das ARENA Fistula Hospital die Kapazität als Ausbildungszentrum für Fistelchirurgie hat.

Dr. Barbara Teltschik, unsere erste Vorsitzende und Projektbeauftragte, berichtet von ihrer Reise:

Zwei Tage bereiteten Dr. Itengré, Chefarzt von ARENA, und ich mit dem ganzen Team alles für den „hohen Besuch“ vor. Hygienevorschriften wurden nochmals alle geprüft und die Abläufe besprochen. Doch alles war perfekt umgesetzt, wie im letzten Besuch in den Arbeitsanweisungen niedergelegt. Es ist beeindruckend, wie diese Mannschaft zusammenarbeitet und Neuerungen akzeptiert und sofort umsetzt!

Zum Empfang für Dr. Fekade am Montagfrüh standen die gesamte Belegschaft des Krankenhauses und die Patientinnen Spalier, sangen und klatschten. Eine große Ehre für den Gast! Nach einem kurzen Rundgang durch das Krankenhaus fing die Arbeit an: am ersten Tag wurden zwanzig Patientinnen klinisch und sonographisch untersucht. Dr. Itengré hatte bewusst schwierige Fälle einbestellt, bei denen er sich kollegiale Unterstützung wünschte. Die gemeinsame Untersuchung zeigte mehrere Patientinnen mit Harnstauungsnieren, die beim bisher üblichen Untersuchungsgang nicht erkannt worden wären. Wir konnten besprechen, welche Patientinnen eine weiterführende Diagnostik, zum Beispiel eine Blasenspiegelung benötigten und alles gemeinsam vorbereiten.

Im Laufe der Woche führten wir mehrere theoretische Fortbildungen für das gesamte Team durch. Fünf Patientinnen benötigten eine Cystoskopie, die Dr. Itengré ausführte. Es ergaben sich wichtige neue Befunde, sodass wir die weiteren Behandlungsschritte erörtern konnten. Außerdem führte das Team zwölf große Operationen bei komplexen Fisteln, ausgeprägten Dammverletzungen und bleibender Harninkontinenz nach vorausgegangenem Fistelverschluss durch. Zwei Harnleiterneuimplantationen wurden mit inneren Harnleiterschienen versorgt, die nun endoskopisch entfernt werden können.

Natürlich war wie immer die Zeit zu kurz für unsere Vorhaben, sodass die verschiedenen Greifzangen für die Entfernung von Fremdkörpern oder eine Gewebeentnahme noch nicht zum Einsatz kamen. Eine Patientin mit ausgeprägter Harnstauung konnten wir notfallmäßig mit einer Nierenfistel unter sonographischer Kontrolle versorgen. Glücklicherweise war ein entsprechender Spezialkatheter mit im Gepäck, denn in Subsahara-Afrika ist es schwierig, einen solchen zu kaufen.

Sicherlich wird das Training der Endoskopie noch mehrere Besuche in Anspruch nehmen und weiterhin im Fokus unserer Projektbesuche stehen. Wir möchten es jedoch, dem täglichen Arbeitsablauf angemessen, mit anderen Weiterbildungen kombinieren und hoffen, dass uns genügend Spendengelder zur Verfügung stehen, um weitere Projektbesuche zu finanzieren. Ziel ist es, dem Team von ARENA die professionelle Nutzung aller Möglichkeiten, die das endoskopische Equipment bietet, zu vermitteln. Dafür möchten wir auch wieder Dr. Fekade einladen, dessen jahrelange Erfahrung von unschätzbarem Wert ist.

Eine Belohnung für die unermüdliche Verbesserung in der Patientenversorgung war die Ernennung zum „Fistelzentrum“ der Weltorganisation für Gynäkologie und Geburtshilfe, die ARENA eine Woche nach unserem Aufenthalt nach positiven Rückmeldungen durch Dr. Fekade erhielt. Nun können auch nur französisch sprechende Ärzte Westafrikas und Madagaskars in der Fistelchirurgie ausgebildet werden. Das Ziel von Fistula e.V. ist, mit unserer Arbeit einen Benefit für viele Ärzte in der Region zu erreichen.

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