Alice Emasu – Fixstern für die Frauen in Uganda

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Weihnachten 2020

Liebe FreundInnen und UnterstützerInnen,

erfreulicherweise können wir trotz der Pandemie über ein erfolgreiches Jahr unserer Arbeit für Frauen mit Geburtsverletzungen berichten. Mit unserer Partnerorganisation TERREWODE in Uganda haben wir am Aufbau des Fistula Hospitals in Soroti weitergearbeitet und dazu beigetragen, den finanziellen Mehraufwand durch die Krise zu decken. Wir möchten Ihnen von der Entwicklung der letzten Monate erzählen, vorher jedoch noch ein paar Gedanken:

Weihnachten als Zeit der Besinnung – in diesem Jahr wird sie zwangsläufig möglich – sollte den Blick nicht nur auf uns richten, sondern auf Menschen, die in dieser Krisenzeit noch größeren Herausforderungen ausgesetzt sind.

Über die Medien erfahren wir kaum noch etwas aus Afrika und Asien. Aufgrund des Corona-Lockdowns haben viele Menschen ihre Existenz verloren und ganze Familien hungern, die häusliche Gewalt steigt und eine medizinische Versorgung ist nur rudimentär vorhanden. Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose sind extrem auf dem Vormarsch und können nicht mehr behandelt werden, da in den Krankenhäusern die Kapazitäten und Medikamente fehlen. In den letzten Monaten hat die Mütter- und Kindersterblichkeit sprunghaft zugenommen.

Aus diesem Grund brauchen wir Ihre Unterstützung mehr denn je!

TERREWODE  Fistula Hospital

Alice Emasu – Fixstern für die Frauen in Uganda

Ein Lichtblick in dieser Zeit war die von uns in Uganda unterstützte Organisation TERREWODE, die mit dem persönlichen Engagement von Alice Emasu allen Widrigkeiten zum Trotz landesweit Einsatz zum Schutz der Frauen gezeigt hat. Sie half mit ihrem „Ambulanzprojekt“ gebärenden Frauen, ein Krankenhaus zu erreichen und kämpfte landesweit mit Fernseh- und Rundfunkkampagnen gegen häusliche Gewalt und für die Rechte der Frauen, insbesondere vulnerabler Gruppen wie Fistelpatientinnen. Wir bewundern Ihre Ideen und Durchhaltevermögen – Alice, wir wünschen Dir viel Kraft für das nächste Jahr!

Terrewode Gründerin Alice Emasu

Alice Emasu, unermüdlich arbeitende Initiatorin und Geschäftsführerin von TERREWODE, beim Besuch einer dörflichen Selbsthilfegruppe. Neugierige Kinder verfolgen das Geschehen.

Ein Besuch unseres Projektes, dem TERREWODE Fistula Hospital, war dieses Jahr nicht möglich, aber wir haben regen Kontakt telefonisch, per Mail und in Webkonferenzen, um bestmögliche Unterstützung zu geben und möglichst viel über den Fortgang des beeindruckenden Krankenhauses zu erfahren.

Bis März wurde viel operiert, Dr. Fekade, ehemaliger Chefarzt der Hamlin-Klinik in Äthiopien, konnte einen Fortbildungseinsatz im Januar/Februar erfolgreich gestalten. Ende März bis Anfang Juli war das Krankenhaus behördlich geschlossen, doch ab Anfang August wurde wieder operiert. Die in der Zwischenzeit auch mit unserer Unterstützung erarbeiteten konzeptionellen Neuerungen konnten nun umgesetzt werden. Ende November endlich reiste Dr. Fekade wieder nach Uganda – wir müssen noch bis ins nächste Jahr warten.

 

Psychologische Betreuung – Baustein der ganzheitlichen Patientenversorgung

 

Während des Lockdowns konnte Alice einen Psychologen finden, der Zeit hatte, zusammen mit ihr Workshops für die Schwestern zu veranstalten, die sie für die Betreuung der Patientinnen stärken. Viele der Frauen sind schwer traumatisiert nach der grausamen Erfahrung ihrer Geburt, die sie nach stärksten Schmerzen ohne Neugeborenes und mit permanenter Inkontinenz zurückgelassen hat. Viele junge Mädchen wurden von der Familie verstoßen, nicht wenige von ihnen wurden vergewaltigt.
Aber auch verheiratete Frauen werden von ihren Männern verlassen, neben der sozialen Isolierung wissen sie nicht, wie sie sich und ihre Kinder ernähren sollen. Viele Fistulapatientinnen sind schwer depressiv und suizidgefährdet.

In Rollenspielen lernen die Schwestern, wie sie sich dem sensiblen Thema nähern und die Patientinnen stützen können. Aber auch, wie sie erkennen können, dass sich ihre Schützlinge in Ausnahmesituationen befinden und wann ärztlich-psychiatrische Hilfe unerlässlich wird. Ziel ist es, den Patientinnen eine optimale, ganzheitliche Versorgung zu ermöglichen, aber auch den Pflegenden Hilfestellungen zu geben, sich mit den psychischen Belastungen ihrer Arbeit auseinanderzusetzen.

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Schwester Agnes, eigentlich die verantwortliche OP-Schwester, im Rollenspiel mit dem Psychotherapeuten Jackson Madaya. Schwieriges Zeigen von Zuwendung in Distanzzeiten.

Physiotherapie am TERREWODE Fistula Hospital – essentieller Bestandteil der Therapie von Geburtsfisteln

Auch die ersehnte Physiotherapie in der Rehabilitation konnte nun begonnen werden. Alice Emasu fand den engagierten Physiotherapeuten Paul Ochen, der sich auch mit Beckenbodengymnastik auskennt. Neben dem Wiedererlernen der Funktionen von Blase und Darm müssen auch Begleitverletzungen wie die Fußheberschwäche behandelt werden, die durch Druck auf Nervenstränge im kleinen Becken entsteht. Manche Frauen brauchen Monate, bis sie wieder gehen können. Schon vor der Operation beginnen die Übungen, die während der Rehabilitation und Reintegration fortgesetzt werden.

Tracy Spitznagle, Physiotherapie-Professorin der Washington University School of Medicine in St. Louis und Mitglied im Vorstand des Worldwide Fistula Fund, einer amerikanischen Organisation, die Terrewode seit Jahren unterstützt, organisierte Webinare und Online-Tutorials. Tracy engagiert sich seit vielen Jahren für Fistelpatientinnen, auch unsere Fellowship in Äthiopien hat von ihren Fortbildungen profitiert.

Dr. Josephine, bisherige Chefärztin: „Wir haben derzeit 15 Patientinnen für die Pilotphase ausgesucht. Die Physiotherapie ist ein großes Plus für unser ganzheitliches Modell der Versorgung von Frauen und Mädchen mit Geburtsfisteln und anderen Geburtsverletzungen am Fistula Hospital.“ Schön, dass wir unseren Zielen immer näher kommen – und das alles innerhalb eines Jahres – trotz den Herausforderungen in dieser Zeit.

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Der Physiotherapeut Paul Ochen behandelt eine Patientin mit Fußheberschwäche in einer Lehrstunde für die Schwestern des TERREWODE Fistula Hospitals

Dr. Tino Okedi – die neue Gynäkologin am TERREWODE Fistula Hospital

Dr. Tino hat soeben ihre Facharztweiterbildung Gynäkologie und Geburtshilfe am Makerere College of Medical Sciences abgeschlossen und sich vertraglich für die nächsten drei Jahre verpflichtet, das Fistulakrankenhaus in Soroti zu unterstützen.

Sie freut sich sehr über ihr neues Arbeitsfeld. „Das ist die Erfüllung meines Traums. Ich habe eine Leidenschaft dafür, gefährdete Frauen darin zu unterstützen, ein gesundes Leben, sowohl körperlich als auch emotional zu führen. Es liegt die große Aufgabe vor mir, dieses Krankenhaus in ein Kompetenzzentrum für moderne Geburtshilfe und Therapie von Geburtskomplikationen zu verwandeln“, erklärt Dr. Tino. „Das ist etwas, das ich nicht allein erreichen kann. Ich werde versuchen, die Kräfte nationaler und internationaler Fistula-Spezialisten für das Erreichen dieses hohen Ziels für uns zu mobilisieren.“

Sie kam Ende November gleichzeitig mit Dr. Fekade an die Klinik und wird in den nächsten Monaten eingearbeitet. „Zwei Fachärzte mit unterschiedlicher operativer Erfahrung (Urologie und Gynäkologie) zu haben, gibt dem TERREWODE Fistula Hospital die Flexibilität, die notwendigen Ressourcen vorzuhalten, um die Patientinnen umfassend und in ausreichendem zeitlichen Umfang betreuen zu können“, bemerkte Dr. Fekade.

Wir von Fistula e.V. freuen uns darauf, Dr. Tino bald persönlich kennenzulernen und wünschen ihr viel Erfolg bei ihrer Arbeit!

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Dr. Tino (links), Dr. Josephine (Mitte) und Dr. Fekade im beschatteten Krankenhauszugang

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Liebe FreundInnen und UnterstützerInnen,

Es gibt gute Nachrichten aus Uganda: Das von Fistula e.V. unterstütze TERREWODE Fistula Hospital konnte wieder geöffnet werden! Am 1. August fanden die ersten Operationen nach über 4 Monaten Lockdown statt. Aufwändig wurden neue Konzepte in der Patientenversorgung erarbeitet, um die Klinik „Corona-sicher“ zu machen – soweit dies möglich ist bei einem gemeinsamen Krankensaal und Schwierigkeiten, ausreichend Schutzausrüstungen zu bekommen. Die Covid-19-Erkrankungszahlen nehmen in Uganda stetig leicht zu, wahrscheinlich ist die Dunkelziffer deutlich höher, da die Testkapazität weit unter unserer in Europa liegt. Wegen der Pandemie musste das im August letzten Jahres eröffnete und bereits sehr erfolgreich arbeitende kleine Krankenhaus wieder geschlossen werden – ein großer Rückschlag für das engagierte Team.

Wir wünschen viel Erfolg und hoffen, dass sie die Infektion aus dem Krankenhaus heraushalten können.

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Endoskopieturm für TERREWODE

Außerdem gibt es auch gute Nachrichten für Uganda: wir haben von Frau Dr. h.c. mult. Sybill Storz, Inhaberin der weltbekannten Firma KARL STORZ in Tuttlingen, eine komplette Einrichtung zur Durchführung von Blasenspiegelungen und kleinen endoskopischen Operationen als Spende bekommen, einschließlich einer hochauflösenden Kameraeinheit mit großem Bildschirm, um die Untersuchungen Kollegen und Schwestern demonstrieren zu können. TERREWODE ist ja auch ein Lehrkrankenhaus, so dass wir bald phantastische Möglichkeiten haben, die Diagnostik und Therapie zu erweitern und zu modernisieren.

Dr. Josephine als angehende Urologin spricht seit Monaten begeistert über diese Möglichkeit, die an anderen Krankenhäusern in Uganda selten zur Verfügung steht. Bei meinem letzten Aufenthalt haben wir zwei Patientinnen operiert, denen eine Blasenspiegelung zur OP-Vorbereitung vielleicht den Eingriff erspart hätte.

Doch mussten vor Einführung solch kompliziert zu pflegender Instrumente erst die Qualität von Instrumentenpflege und -reinigung sicher funktionieren. Die empfindlichen Linsenoptiken und Metallhülsen benötigen korrekte und aufwendige Reinigung sowie Sterilisation. Wir hoffen, bald wieder reisen zu können, um das OP-Team zu unterrichten.

Frau Dr. Storz unterstützt uns schon seit vielen Jahren, sie hatte Dr. Hamlin auf einer Veranstaltung kennengelernt, an der sie beide eine Ehrendoktorwürde verliehen bekommen haben. Für diese ausnehmend großzügige Spende bedankt sich Fistula e.V. und TERREWODE sehr herzlich!

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