Yitatek Asnakew

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Yitatek wurde vor 25 Jahren in einem kleinen Dorf in der Provinz Wollo geboren, wo sie auch verheiratet ist. Das Dorf liegt 2 Stunden Fußmarsch entfernt vom nächsten Marktflecken, wo es ein Health Center gibt. Die Dorfleute machen sich zweimal die Woche auf den Weg um ihre Produkte zu verkaufen und um einzukaufen wie z. B. Kerosin, Salz usw.

Yitatek schätzt, dass sie mit etwa 12 Jahren verheiratet wurde. Wie die meisten Mädchen, hat auch sie niemals eine Schule besucht. Sie wünschte sich nur erwachsen zu werden, an einen wohlhabenden Mann verheiratet zu werden und besser zu leben als ihre Eltern.

Traditionell arbeitet der Mann auf den Feldern, während Yitatek den Haushalt managte, kochte, wusch, Wasser und Feuerholz holte usw. Yitatek war mit ihrem Leben zufrieden, bis zu ihrer ersten Schwangerschaft, bei der sie eine Geburtsfistel bekam.

Yitatek schätzt, dass sie mit etwa 15 Jahren schwanger wurde. Die Schwangerschaft verlief problemlos, obwohl sie nie Kontakt mit einer Hebamme oder einem Arzt hatte. Gemäß der traditionellen Norm bringen Frauen ihre Kinder im Haus ihrer Mütter zur Welt. Sie hatte 6 Tage lang Wehen und unerträgliche Schmerzen, bis der Fötus schrumpfte und normal geboren wurde. Yitatek hatte eine Totgeburt und war danach inkontinent, ein schrecklicher und bedrohlicher Zustand, von dem sie noch nie etwas gehört hatte.

Für Yitatek schien die Verletzung unheilbar und zu schamvoll um darüber zu reden. Deswegen blieb sie im Haus der Mutter ohne nach einer Lösung zu suchen. Um diese Zeit trennte sich ihr Mann von ihr und heiratete eine andere Frau.

Nach einem Jahr in Isolation und ohne soziale Kontakte kam vor etwa 5 Jahren ihr Bruder zu Besuch, der in der Nähe von Bahr Dar lebt und von dem Außenzentrum in Bahr Dar im Radio gehört hatte.

„Die ganze Zeit erzählten mir die Dorfleute, dass alles meine Schuld war. Ich hasste mich und versuchte mehrmals mich umzubringen. Das hat meine körperliche Erscheinung geprägt und ich sehe älter aus als ich bin“ erklärt Yitatek.

Wegen der starken Zerstörung der Blase, war die erste Operation nicht erfolgreich. Yitatek wurde entlassen mit einem Termin für eine erneute Operation, doch sie erschien nicht.

Sie hatte die Hoffnung aufgegeben und lebte weitere 5 Jahre mit diesem Schicksal. Auch hatte sie keine Unterstützung von Verwandten, die sie auf der Reise begleitet hätten. Das trug dazu bei, sich in ihr Schicksal zu ergeben.

Ihr anderer Bruder, der erst kürzlich von Yitateks Zustand erfuhr brachte sie vor 5 Monaten in das Fistula Hospital in der Hauptstadt.

Weil ihr Fall schwierig war, blieb Yitatek zunächst einige Monate mit verschiedenen anderen Behandlungen bis sie vor 2 Wochen eine erfolgreiche Harnableitung hatte und jetzt vollkommen trocken ist.

„Ich bin so glücklich, dass ich jetzt trocken bin und diese 6 Jahre voll Schande endlich vorbei sind. Ich bete für alle, die mir geholfen haben. Das ist das einzige, was ich tun kann“

 

 

 

 

 

 

 

Siraye Abebe

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Siraye ist 35 Jahre alt und in dem kleinen Dorf Debre Elias geboren und aufgewachsen.  Das Dorf liegt in der Provinz Gojjam etwa 3 Stunden Fußmarsch um den nächsten Ort zu erreichen, wo es ein Health Center, Transport, Elektrizität usw. gibt.

Im Alter von 10 Jahren wurde sie verheiratet und lebte mit ihrem Mann im gleichen Dorf wie ihre Eltern. Sie hatte noch nicht ihre Kindheit beendet und das Leben mit der neuen Familie stellte eine große Herausforderung dar, an die sie sich mit der Zeit gewöhnte.

Wie überall im ländlichen Äthiopien bestimmt die Regenzeit den Jahresrythmus der Bauern. Siraye half bei der Feldarbeit und musste sich auch um Haushalt und Essen kümmern. Von frühen Morgen bis zum späten Abend war sie sehr beschäftigt. Da sie kein anderes Leben kannte, war Siraye trotz allem glücklich bis zu ihrer ersten Schwangerschaft.

Vor etwa 17 Jahren wurde Siraye zum ersten Mal schwanger. Das waren sehr gute Neuigkeiten für die Familie, die an Traditionen glaubte. Frauen sollen heiraten und viele Kinder gebären. Obwohl Siraye niemals ein Health Center besuchte, verlief ihre Schwangerschaft ruhig und problemlos.

Als die Wehen begannen, waren ihre Mutter und erfahrene Dorffrauen bei ihr. Doch die Wehen dauerten und verursachten Siraye sehr große Schmerzen. Nach einer Woche brachte die Familie sie endlich in die nächste Klinik.

Sirayes Zustand war sehr ernst und konnte dort nicht behandelt werden, deshalb wurde sie in das nächstgrößere Krankenhaus gebracht. Die Wehen waren lebensbedrohlich und die Ärzte versuchten alles, um ihr Leben zu retten. Mit einem Kaiserschnitt holten sie das tote Baby, Siraye überlebte doppelt inkontinent und mit einer Fußheberschwäche. Die Trauer über das tote Baby und ihren Zustand war sehr groß, so etwas hatte sie noch nie erlebt.

Das Schlimmste stand ihr aber noch bevor. Zurück in ihrem Dorf, wollte ihr Mann nichts mehr von ihr wissen und verstieß sie. Von ihrer Familie kümmerten sich nur ihr Bruder und seine Frau um sie.

„als alle meine Kleider und sogar die Kuhhaut, auf der ich schlief, vollgesogen waren mit Urin, nahm ich einen Stock, packte alles in eine Plastiktüte und ging langsam und versteckt zum Bach, um mich und alles zu waschen. Alles musste heimlich geschehen, sonst hätten es die Dorfleute nicht erlaubt.“ erzählte sie.

Auch nach der Überweisung in das Fistula Hospital in Addis Abeba dauerte es 5 Jahre bis sie dort ankam. Sie hatte kein Geld und niemanden der sie begleiten wollte. Wie die meisten Menschen im ländlichen Äthiopien wusste Siraye nicht, wie sie die Hauptstadt erreichen sollte und fürchtete, verloren zu gehen. Nach fünf Jahren des Traumas brachte sie endlich ein Cousin, der in Addis Abeba lebte, vor 12 Jahren in das Fistula Hospital.

Da Sirayes Blase durch die verlängerten Wehen so zerstört war, konnte die Operation die Inkontinenz nicht stoppen. Nach über 15 Jahren konnte Siraye endlich geheilt werden, nachdem vor einigen Wochen eine Harnableitung gemacht wurde. Jetzt ist sie trocken und glücklich und wartet darauf, nach Hause zurück zu kehren in voller Würde.

„Das Unmögliche wurde möglich gemacht, ich bin wieder trocken und muss mich nicht mehr schämen. Mein größter Dank gilt Dr. Hamlin, die mir und den anderen Patientinnen wie ein Engel gesandt wurde, außerdem danke ich allen Mitarbeitern, die mich mit ihrer freundlichen Art und Liebe zu einem Teil der Familie hier gemacht haben.“

Zurück in ihrem Dorf wird Siraye jetzt zur Hamlin Botschafterin, die alles, was sie während ihres Aufenthaltes gelernt hat, an die anderen Frauen weitergeben will.

Radiya Ademme

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Radiya ist 40 Jahre alt und hat 3 Söhne und 2 Töchter. Sie kommt aus dem Osten Äthiopiens und lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe des Außenzentrums Harar. Da der Ackerboden nicht ertragreich genug war um die Familie zu ernähren, beschlossen Radiya und ihr Mann vor etwa 5 Jahren, in ein neues Dorf umzuziehen, das etwa 600 km entfernt von dem alten liegt.

Die Bevölkerung in diesem Teil des Landes heißt Hararge, allgemein bekannt für ihr freundliches Wesen und die starke soziale Integrität. Radiya fühlte sich dort sehr glücklich, trotz der ganzen Widrigkeiten, mit denen die Frauen im ländlichen Äthiopien konfrontiert sind. Jeden Morgen bereitete sie das Frühstück für die Familie, holte Wasser aus einem weit entfernten Wasserloch, sammelte Feuerholz, kochte das Mittagessen und brachte es auf das Feld zu ihrem Mann.

Obwohl sie im Schulalter waren, schickte sie ihre Kinder niemals in die Schule, sondern auf das Feld oder zu den Kühen.

Vor 6 Jahren, bei ihrer 5. Schwangerschaft, begannen die Wehen zuhause und Radiya hoffte, es würde so leicht gehen wie die vorherigen 4 Geburten. Aber dieses Mal dauerten die Wehen 2 Tage bis die Familie entschied Radiya in das 100 km entfernte Krankenhaus zu bringen. Es war zu spät, die Ärzte konnten nur noch Radiyas Leben durch einen Kaiserschnitt retten. Das Baby war eine Totgeburt und die Wehen hatten eine Blasen-Scheiden-Fistel verursacht.

Mit einer Überweisung erreichte Radiya nach nur 3 Monaten das Außenzentrum in Harar. Die erste Operation war erfolgreich und sie konnte schon nach 1 Monat wieder geheilt nach Hause zurückkehren.

„ Ich dachte niemals, dass ich in so kurzer Zeit vollkommen geheilt werden könnte und erzählte niemandem was passiert war, ich ging nur nach Hause und lebte mit meiner Familie wie vorher.“

2 Jahre später wurde Radiya erneut schwanger. Wie fast überall im ländlichen Äthiopien, gab es keine medizinische Versorgung und die Leute lebten auf traditionelle Weise. Die Frage, wo Radiya entbinden sollte, stellte sich nicht. Die Wehen begannen, sie blieb zuhause, aber schon nach einem Tag wurde sie ins nächste Krankenhaus gebracht. Dieses Mal hatte sie Glück und das Baby überlebte, aber die Blase war erneut gerissen und Radiya wieder inkontinent.

Sie wusste nichts über das Fistula Hospital in Addis Abeba, sondern suchte erneut das Zentrum in Harar auf, von wo aus sie in die Hauptstadt geschickt wurde. Die 2. Operation vor etwa 1 Jahr verlief nicht so erfolgreich, weil die Blase zu stark zerstört war.

Mit der Ambulanz erreichte Radiya vor etwa 5 Monaten das Fistula Hospital. Jetzt ist sie im postoperativen Saal untergebracht – nach erfolgreicher Harnableitung und wartet ungeduldig auf ihre Entlassung.

„‘Obwohl ich ihre Sprache nicht spreche, nehme ich Dr. Hamlins Hand und küsse sie jedes Mal, wenn ich sie treffe. Wegen ihr habe ich wieder Hoffnung. Möge Allah sie segnen und ihr ein langes Leben schenken.“

 

 

Urodynamik Fellowship

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Am 24.10.2016 haben 2 weitere Ärzte als Fellows unseres Ausbildungsprogramms “Uro-Gynäkologie” offiziell gestartet – beide aus Hamlin: Dr. Bitew, der das Zentrum in Bahir Dahr leitet, und Dr. Yeshina, der mit uns in Addis arbeitet.

Hintergrund unserer Fellowship ist es, dass Frauengesundheit in Äthiopien trotz vieler Anstrengungen nach wie vor ein großes medizinisches Problem darstellt: Immer noch ist die Müttersterblichkeit hoch, immer noch gibt es geburtsbedingte Fisteln und auch die Häufigkeit von Gebärmuttervorfall, teils erheblichen Ausmaßes sowie Harn- und Stuhlinkontinenz ist groß, vor allem im ländlichen Bereich.

Nach wie vor treffen diese Herausforderungen auf eine sehr geringe Zahl gut ausgebildeter Ärzte mit Spezialkenntnissen.

Obwohl die Koordination und die Absprachen zwischen den Partnern eine ständige Herausforderung darstellen, bietet die Kooperation von Hamlin Fistula Ethiopia und der Universitätsklinik Mekelle Ayder Hospital wichtige Vorteile: die gemeinsame Nutzung der vorhandenen Ressourcen und die offizielle staatliche Anerkennung der Ausbildung. Natürlich ist die Unterstützung durch ausländische Partner und Tutoren dabei unerlässlich, um qualitativ internationalen Standards zu genügen – unser erklärtes Ziel. Das Curriculum wurde aus den USA entlehnt und auf äthiopische Verhältnisse zugeschnitten. Einen Schwerpunkt des Programms bildet deshalb der Komplex “geburtsbedingte Fisteln”, aber auch urologische Komplikationen und deren Behandlung.

Unser erstes Jahr war ein großer Erfolg: Dr. Fekade und Dr. Melaku – unsere “alten Fellows” – haben trotz ihrer großen Erfahrung als Fistelchirurgen von den intensiven Trainingseinheiten profitiert. In diesem Jahr stehen colo-rectale Chirurgie, spezielle Urologie und Neurologie auf ihrem Lehrplan. Auch werden beide bereits im Februar als Tutoren für die “neuen Fellows” bereit stehen, da die amerikanischen Kolleginnen wegen der politischen Situation in Äthiopien erst im Mai wieder einreisen – da können sie ihre Eignung als Lehrende unter Beweis stellen.

Das Trainings-Programm für das erste und zweite Ausbildungsjahr steht also und wird wieder von hochrangigen Tutoren aus USA, England, Deutschland und Holland praktisch und theoretisch gestaltet. …und jedem Anfang liegt ein Zauber inne….Ich hoffe aber, dass allen Beteiligten Leidenschaft, Ausdauer und Geduld bewahrt bleiben, um dies ein auf lange Sicht erfolgreiches Projekt werden  zu lassen.

Tigist

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“Medde Jalelaa”, das bedeutet Quell der Liebe und ist der Name eines abgelegenen Dorfes in der Region Oromiya. Hier wurde die 16-jährige Tigist mit einem um etliche Jahre älteren Bauern verheiratet und gründete mit ihm eine Familie. In den Ort gab es weder Straßen, noch Elektrizität und auch keinerlei ärztliche Versorgung. Die nächste medizinische Einrichtung war 2 Stunden Fußmarsch entfernt.

Tigists Familie lebte ein sehr traditionelles Leben. Das jährlich geerntete “teff”, das traditionelle äthiopische Getreide, reichte gerade für die täglichen Mahlzeiten, aber nicht dafür, etwas für die Zukunft beiseite zu legen.

Bis zu ihrer ersten Schwangerschaft machte es Tigist neben ihrer Hausarbeit auch sehr viel Freude, ihrem Ehemann bei der Landwirtschaft zu helfen.

Tigist war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. Eine schwierige und sicher auch frustrierende Situation für so ein junges Mädchen. Während der 9-monatigen Schwangerschaft hatte Tigist nie die Möglichkeit, eine Gesundheitseinrichtung zu besuchen und so mußte sie, wie die anderen Frauen im Dorf, zu Hause gebären. Die einzige Hilfe, die sie hatte, war die ungelernte traditionelle Geburtshelferin des Dorfes.

Diese ältere Frau hat Erfahrung mit der traditionellen Art der Geburtshilfe und hat bereits vielen Frauen des Ortes während der Geburt beigestanden. Aber als Tigist in den Wehen lag, verstand diese Helferin nicht, daß etwas schief lief und es sich um eine Risikogeburt handelt. Sie ließ Tigist drei Tage lang pressen, dann waren alle ihre traditionellen Geburtshilfemethoden ausgeschöpft – keine davon hatte geholfen. Am dritten Tag fiel das Mädchen in ein Koma und nun beschloss der Ehemann, sie ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Im Krankenhaus konnten die Ärzte zwar das Leben von Tigist retten, das Kind jedoch wurde tot geboren und Tigist selbst erlitt eine Geburtsverletzung, die eine dauerhafte Inkontinenz verursachte.

Nachdem diese Geburtsverletzung nach drei Monaten immer noch nicht verheilt war, erhielt Tigist von dem Krankenhaus, das sie während der Geburt aufgenommen hatte, ein Referenzschreiben für eine weitere Behandlung am Addis Abeba Fistula Hospital.

Vier Jahre ist es nun her, daß sie 20 Tage lang im Fistula Hospital behandelt und vollkommen von der verheerenden Verletzung geheilt worden war. Ihr Ehemann, der ihr während der ganzen Zeit ihrer Verletzung und Inkontinenz zur Seite gestanden hatte, war überglücklich, sie danach wieder an seiner Seite zu haben.

“In dem Moment, als ich im Krankenhaus ankam und all die anderen Frauen traf, die jahrelang unter dem gleichen Problem litten wie ich, verstand ich, wie glücklich ich sein konnte, daß ich nur für eine so kurze Zeit zu leiden hatte und innerhalb von nur 20 Tagen geheilt werden konnte. Ich bin Gott und allen hier so dankbar!” erklärt Tigist.

Vier Jahre nach ihrer Fistelbehandlung kam Tigist nun wieder ins Fistula Hospital, diesmal im 8. Monat schwanger. Mit Hilfe eines Kaiserschnitts konnte sie vor einer Woche sicher ihr Baby zur Welt bringen und zum ersten Mal Mutter werden.

Etwa zwei Wochen wird sie nun nach der Geburt im Hospital bleiben, bis ihr Ehemann kommt, um sie und den neugeborenen Sohn abzuholen.

“Ich kann nicht gut meine wirklichen Gefühle beschreiben, aber ich kann versichern, daß ich immer für ein langes, gesundes Leben für all diejenigen beten werde, die hier arbeiten und mir halfen, meine Würde zurückzuerhalten und mich wieder zu einer Frau zu machen.”