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Toleni Beyene

Toleni ist 28 Jahre alt. Nach ihrer Hochzeit mit nur 15 Jahren siedelte sie zu ihrem Mann und seiner Familie über und lebte mit ihnen in einem kleinen Dorf, weit entfernt von der nächsten Kleinstadt. Dort gab es keine Straßen, Ärzte oder Elektrizität. Alles lag mindestens 4 Stunden Fußmarsch entfernt.

Da  die Familie hauptsächlich von Landwirtschaft lebte, arbeitete Toleni im Haushalt und verwaltete das geringe Familieneinkommen. Bei Bedarf arbeitete sie auch mit ihrem Mann auf den Feldern. Für diese schwere Arbeit war sie eigentlich noch viel zu jung. Aber sie gewöhnte sich daran und akzeptierte ihr Schicksal.

Toleni, die nie eine Schule besucht hatte, führte eine relativ glückliche Ehe und hatte bald 2 Kinder. Sie nahm aktiv am Leben in der Dorfgemeinschaft teil und verstand sich gut mit allen – bis sie eine schlimme Geburtsverletzung hatte. Eine Blasen-Scheiden-Fistel.

Toleni hatte innerhalb von 10 Jahren 2 Mal Geburtsfisteln. Das erste Mal im Alter von 16 Jahren bei ihrer ersten Schwangerschaft. Nach 3 Tagen Wehen wurde sie in die nächste Klinik gebracht, wo ihr Baby tot geboren wurde und sie eine Blasen-Scheiden-Fistel hatte. Nach 3 Monaten wurde diese in dem staatlichen Krankenhaus geschlossen und sie lebte wieder mit ihrer Familie.

Seitdem war Toleni 4 Mal schwanger, 2 Babies starben und 2 Kinder überlebten. Toleni hat eine Tochter von 9 Jahren und einen Sohn von 3 Jahren. Alle Kinder wurden zuhause entbunden.

Nach 10 Jahren wurde Toleni zum 5. Mal schwanger und sie entschloss sich in dem neuen Krankenhaus in der Nähe ihres Dorfes zu entbinden. Leider dauerten die Wehen wieder länger als einen Tag und endeten mit Totgeburt und Fistel.

Das Glück hatte die Familie verlassen und Frust machte sich breit. Nach 6 Monaten voller Depressionen machten sich Toleni und ihr Mann auf den Weg nach Addis Abeba zum Fistula Hospital. Eine Verwandte, die hier geheilt wurde, hatte Toleni davon erzählt.

Toleni war eine der ersten Patientinnen, die in dem neu renovierten OP operiert wurden. Schon nach 2 Wochen konnte sie geheilt wieder nach Hause zurückkehren.

„es ist immer noch schrecklich, an diese 6 Monate zurückzudenken, wo Urin den ganzen Tag meine Beine herunterlief. Ich saß nicht mehr mit meinen Nachbarinnen zum Kaffeetrinken oder ging auf den Markt. Ich war in mehreren Krankenhäusern bevor ich hierher kam. Hier fühlte ich mich nie alleine, alle waren immer sehr freundlich und hilfsbereit wie in einer großen Familie. Vielen Dank für alles.“

 

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