Reintegration als Chance – eine Fistelpatientin berichtet von Ihrer Schneidereiausbildung

Mariam Lallogo ist eine 30-jährige Mutter aus einem abgelegenen Dorf bei Boulsa, etwa 300 km im Osten von Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Faso’s, gelegen. Sie wurde im Alter von 17 Jahren auf Anweisung ihres Vaters zwangsverheiratet. Sie gebar ihrem Mann 4 Kinder, das letzte erforderte einen Kaiserschnitt. Während ihrer fünften Schwangerschaft konnte Mariam keine Schwangerschaftsvorsorge in Anspruch nehmen, da ihr Dorf in der Regenzeit durch einen nicht passierbaren Fluss abgeschnitten ist. Die nächste für sie zuständige Gesundheitseinrichtung ist während dieser Zeit unerreichbar.

 „Ich wusste, dass bei einer erneuten Geburt unbedingt ein Kaiserschnitt erfolgen muss und bereits im 8. Monat hat mich mein Mann in die 35 km entfernte Stadt zu Verwandten gebracht, damit ich auf jeden Fall rechtzeitig ins Krankenhaus komme.“ berichtet sie. „Trotzdem wollten die Hebammen eine normale Geburt durchführen, als ich mit Wehen ins Gesundheitszentrum kam.“ Sie beobachteten die Patientin trotz ihrer Bedenken fast 12 Stunden lang erfolglos, bevor sie sie in das Bezirkskrankenhaus überwiesen. Dort wurde dann ein Notfallkaiserschnitt durchgeführt. Die Genesung verlief offenbar gut und sie wurde eine Woche später entlassen. 

„Als die Ärzte vor meiner Entlassung aus dem Krankenhaus den Katheter entfernten, bemerkte ich, dass mein Urin auslief. Ich hatte noch nie von einer Fistel gehört, also glaubte ich ihnen, als sie mir sagten, dass das aufhören würde. Zu Hause angekommen, verlor ich weiterhin Urin, was für mich sehr schwierig war. Die Menschen in meinem Umfeld veränderten ihre Art, mich zu behandeln. Ich musste alleine essen, niemand setzte sich zu mir und sogar die Gläser, aus denen ich trank, wurden mir weggenommen. Ich wurde als unrein angesehen. Mein Schwiegervater brachte mich zurück ins Bezirkskrankenhaus, wo man beschloss, mir wieder einen Katheter zu legen. Trotz Katheter verlor ich permanent Urin und ich bin dankbar, dass meine Familie mich unterstützte und mich ins Regionalkrankenhaus brachte. Dort klärte uns eine Krankenschwester über meine Fistel auf, erzählte vom ARENA Fistula Hospital und überwies mich nach Ouagadougou.

Mariam wurde tatsächlich schon einen Monat später in das ARENA-Fistula Hospital aufgenommen und erfolgreich operiert. Während ihrer Genesungszeit hörte sie von dem sozialen Reintegrationsprogramm, das Fistelüberlebenden eine Berufsausbildung ermöglicht. Sie war begeistert von dem Programm in Schneiderei und erhielt die Möglichkeit zur Teilnahme.

„Nähen war schon seit der Kindheit meine Leidenschaft, aber mein Vater hatte nicht das Geld, um mir eine Ausbildung zu ermöglichen. Bevor ich an einer Fistel erkrankte, verkaufte ich Erdnusskekse in den umliegenden Dörfern. Manchmal legten wir lange Strecken zu Fuß zurück und verbrachten den ganzen Tag damit, ohne etwas zu verkaufen. Ich glaube, dass sich das mit meinen Nähkenntnissen ändern wird. Jetzt bin ich seit vier Monaten hier und bin sehr zufrieden mit dem, was ich bisher gelernt habe. Ich kann schon einfache Kleider nähen. Diese Ausbildung wird mir und meiner Familie zugutekommen. Sobald ich fertig bin, möchte ich mich in meinem Dorf niederlassen und arbeiten. Ich denke, dass ich mich mit dem Nähen zu Hause sehr wohl fühlen werde und dass ich mit dem verdienten Geld meinen Kindern und meiner Familie helfen kann.“

Fistula e.V. finanziert zwischenzeitlich die zweite Staffel der Schneidereiausbildung, ein wichtiges Instrument des Reintegrationsprogramms, das jungen Frauen Chancen für die finanzielle Selbstständigkeit bietet.

Wir wünschen Mariam, dass Ihre Zukunftsvision in Erfüllung geht. Das wichtigste Ziel der Reintegration ist es, den Patientinnen wieder Selbstwertgefühl und Zukunft zu vermitteln. Das ist bei Mariam gelungen!

Weitere Beiträge