Fatuma stammt aus einer muslimischen Familie und lebt in einem kleinen ländlichen Dorf im Norden Äthiopiens. Dort gab es weder Strom noch fließendes Wasser oder Gesundheitseinrichtungen. Alles war 4 Stunden Fußmarsch im nächstgrößeren Marktflecken. Im Dorf gab es auch keine Schule, die Fatuma hätte besuchen können. Die Dorfgemeinschaft lebte sehr traditionell und hatte wenig Respekt vor Frauen. Als sie 9 Jahre alt war, wurde Fatuma beim Ziegenhüten vergewaltigt, aber zum Glück nicht schwanger. Mit 11 Jahren wurde sie mit einem sehr viel älteren Bauern verheiratet. Fatuma war glücklich darüber, dass er sie zur Frau nahm, obwohl sie vergewaltigt worden war. Unverheiratete Frauen haben weniger Rechte als ein Hund! Ihr Eheglück dauerte nur 4 Jahre bis sie zum ersten Mal schwanger wurde. Während der Schwangerschaft ging sie nie zur Vorsorgeuntersuchung.
Zur Geburt ging Fatuma in das Haus ihres Vaters. Die Stiefmutter und andere ältere Frauen des Dorfes standen ihr bei. Da sie noch nicht voll entwickelt war, blieb das Baby im Geburtskanal stecken. Die Wehen dauerten 5 lange Tage. Am Ende fiel Fatuma ins Koma und hat keine Erinnerung daran, was danach passierte. Das Kind wurde nach 5 Tagen tot geboren. Fatuma hatte eine doppelte Fistel und konnte ihre Beine nicht mehr bewegen. Aber selbst dann kam niemand auf die Idee, sie in eine Klinik zu bringen.
Ihr Mann verließ sie sofort und Fatuma blieb bei ihrem Vater. Zum Glück half ihr die Stiefmutter am Anfang, aber nach einiger Zeit wurde Fatuma aufgrund ihres Gestanks auch von der eigenen Familie abgelehnt. „Durch die Mißhandlung durch meine eigene Familie wollte ich nur noch sterben, in der Nacht sammelte ich meine Sachen und lief weg, bis die Frau meines Onkels mich fand und mich zu sich brachte“, erinnert sie sich.
Die Frau ihres Onkels war hilfsbereit und fürsorglich. Fatuma blieb dort 10 Jahre – mit Fisteln, ohne nach Heilung zu suchen. „Als ich über eine Klinik gesprochen habe, machten mir die Dorfbewohner Angst, dass die Leute in der Klinik mein Blut saugen und mich ermorden würden. Danach höre ich auf, darüber nachzudenken „, sagte Fatuma.
Nach 10 Jahren dieses Traumas entschloss sich Fatuma, selbst nach Heilung zu suchen. Sie hatte etwas Geld aus der Arbeit und dem Verkauf von Kunsthandwerken gespart und war in das Regierungskrankenhaus der großen Stadt gefahren, einen halben Tag von ihrem Dorf entfernt. Begleitet von einem Verwandten wurde Fatuma in das Addis Abeba Fistula Krankenhaus geschickt.
Dort kam sie vor etwa 15 Jahren an und lebt seitdem hier. Nach 5 Operationen zeigten sich Verbesserungen, aber keine vollständige Heilung. Vor 3 Monaten wurde sie erfolgreich mit einer Harnableitung operiert und ist jetzt völlig trocken. „Jetzt bin ich frei, frei, wieder unter Menschen zu gehen, frei um mit den Herausforderungen des Lebens zu kämpfen, frei, um meine Zukunft besser zu machen. Danke an Emaye (Dr. Catherine Hamlin) an erster Stelle, dann an alle anderen in diesem Krankenhaus. Ihr habt mich nicht von Fisteln geheilt, sondern auch von dem unzivilisierten Denken, in dem ich früher war. 10 Jahre lang habe ich jede traditionelle Medizin in meinem Dorf genommen, aber Angst vor Krankenhäusern. Jetzt bin ich Botschafterin in meinem Dorf und erzähle allen über die richtige Lebensweise“, erklärt sie.
Fatuma ist jetzt in Desta Mender, wo sie an ihrem Rehabilitationstraining teilnimmt. In zwei Monaten macht sie ihren Abschluss und wird in ihrem Dorf reintegriert.

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