Lingerish Tadesse – Köchin im Juniper Cafe in Desta Mender

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Rückblick von Ligerish:

Lingerish stammt aus einem abgelegenen Dorf im bergigen Nordäthiopien bei Gonder. Die traditionelle Landwirtschaft auf kleinem Ackerland ist die einzige Lebensquelle für die ganze Familie. Keines der Kinder, einschließlich Lingerish, hatte die Schule besucht. In ländlichen Gebieten Äthiopiens ist die Verantwortung der Kinder in der Familie klar geregelt. Jungen werden zuerst Hirte, danch als Bauern ausgebildet, genau wie ihre Väter und Urgroßväter. Mädchen helfen ihren Müttern zu Hause, bis sie in einer arrangierten Ehe heiraten, meistens im Teenageralter. Dasselbe passierte Lingerish und ihren Geschwistern. Ihre Ehe mit 14 mit einem Ehemann, den sie nie gesehen hatte, war eine gute Nachricht für sie und die Familie. Sie war erst 15 Jahre alt, als sie zur Geburt zu ihrer Mutter ging.
Zum Stichtag befanden sich ihre Mutter und die traditionelle Geburtshelferin des Dorfes direkt bei Lingerish, um sie zu ermutigen. Aber die Wehen dauerten unerwartet lange und sie fiel in einen komatösen Zustand. Niemandem, auch der traditionellen Geburtshelferin, war bewußt, das Lingerish nicht auf natürliche Weise gebären konnte.

Nach zweieinhalb Tagen wurde Sie zu Fuß und mit dem Bus in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Im Krankenhaus erhielt Lingerish einen Kaiserschnitt, aber das Baby war schon abgestorben und hatte sie schwer verletzt. (Geburtsfistel-Inkontinenz und einer Nervenverletzung die in das Bein ausstrahlte) „Ich hatte noch nie ein solches Problem in meinem Leben. Ich war schockiert und schämte mich meiner selbst.“ sagte Lingerish.

Überweisung ins Fistula Hospital

Lingerish blieb zwei Monate im Krankenhaus und wurde dann an das Addis Abeba Fistula Hospital, überwiesen. „Als ich im Krankenhaus ankam und andere Frauen wie mich sah, war ich erleichtert und als ich Emayye (Dr. Catherine Hamlin) im Operationssaal traf, wurde ich hoffnungsvoll. Aber es geschah nicht so, wie ich wollte. Aufgrund der schweren Verletzung, die ich hatte, war die erste Operation von Emayye nicht erfolgreich. Mit der mütterlichen Sorgfalt, die ich fast ein Jahr lang erhalten hatte, erholte ich mich von meiner Beinverletzung, lernte viele Fähigkeiten im Umgang mit mir selbst und all dies ermöglichte es mir nicht aufzugeben.“

2. OP war erfolgreich, aber eine längere Unterbringung in der Reha war notwendig

Nach einem Jahr Krankenhausaufenthalt wurde Lingerish mit einem Termin für die zweite Operation entlassen. Sie kam nach einem Jahr zurück und erhielt die letzte Umleitungsoperation und wurde total trocken. Trotzdem benötigte sie weitere Unterstützung. Nach der Operation wurde Lingerish für das Rehabilitationstraining bei Desta Mender zugelassen und besuchte verschiedene lebens- und betriebswirtschaftliche Schulungen.

„Ich durfte in Desta Mender wohnen und arbeitete in verschiedenen Bereichen wie Milchviehbetrieb, Hühnerfarm und Gemüsefarm. Ich ging  vier Jahre dort zur Schule.“ sagte Lingerish.

Lingerish arbeitet inzwischen im Juniper Café (Seminar- und Tagungscafe in Desta Mender) und hat dadurch ihr eigenes monatliches Einkommen, um zu leben. Sie zog auch vor einem Jahr von Desta Mender aus und begann ein unabhängiges Leben in einem gemieteten Haus in der Nähe von Desta Mender.

Lingerish sagt:
„Ich habe das Glück, von ihren Händen behandelt zu werden, Emayye (Dr. Catherine Hamlin) ist alles für mich. Sie begrüßte mich mit bedingungsloser Liebe, verbarg meine Schamgefühle und gab mir das Leben zurück. Und all dies ist kostenlos, wer wird das tun, außer Gott. Ich wünschte, ich könnte ihr mein Alter geben und damit sie ewig lebt.

Culture Day Party in der Hebammenschule (HCM)

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Der 8. Dezember ist der nationale Feiertag der „Nationen und Nationalitäten“ in Äthiopien. An diesem Tag sind alle Bildungseinrichtungen verpflichtet, den Tag mit ihren Schüler/Innen zu feiern. In der Hebammenschule wird der Tag als „Culture Day“ bezeichnet und jedes Jahr mit einer Party gefeiert, bei der die gesamte College-Community mit schönen und farbenfrohen Kleidern der verschiedenen Kulturen teilnimmt. Die Absolventinnen der vierten Klasse haben das Fest organisiert.
Kulturelle Kleidung wurde vorgeführt, ein Schönheitswettbewerb zur Miss Hamlin 2018 und Tänze waren Teil der Feier. Schwester Marit, Vize-Dekanin der Schule, sagte zu der Veranstaltung: „Es ist an der Zeit, eine Pause von unserer alltäglichen Aufgaben zu machen, Lernen zu lehren und die Schönheit unserer Nation durch die unterschiedlichen und farbenfrohen Kulturen zu sehen, aus denen jede von uns stammt. Für Hamlin-Studentinnen, die aus verschiedenen Regionen und Kulturen stammen, die das Äthiopien repräsentieren, soll diese Party eine lebenslange gute Erinnerung an Ihre Schulzeit sein.“ Sie dankte den Studentinnen im vierten Jahr dafür, dass sie sich die kostbare Zeit für die Vorbereitung der Party genommen haben.
An der Party nahmen College-Mitarbeiter und Studentinnen, Mitarbeiter und Fistelpatientinnen aus Desta Mender, dem Rehabilitationstraining Zentrum teil.

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Gadissie – Desta Mender

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Gadissie kommt aus einem kleinen Dorf in der Oromiya Region. Dort gibt es weder Strom noch fließendes Wasser und das nächste Health Center war 3 Stunden Fußmarsch entfernt.
Gadissie wurde mit Kinderlähmung geboren, die beide Beine betraf und war deshalb Zeit ihres Lebens behindert. Sie ging nicht zur Schule und spielte auch nicht mit anderen Kindern, sondern blieb die meiste Zeit bei ihrer Mutter.
Mit 24 Jahren heiratete sie und alle freuten sich. Die Familie hoffte, dass das Eheleben und Kinder Gadissie helfen würden, sich von iher Depression zu befreien. Auch Gadissie war sehr glücklich.
Bald nach der Hochzeit wurde sie schwanger. Das Glück hielt aber nur 9 Monate. Die Wehen dauerten 3 lange Tage. Ihre Mutter und die herbeigerufene traditionelle Geburtshelferin hatten so etwas noch nie gesehen. „Niemand wollte mich in die Klinik bringen, obwohl ich 3 Tage lang unerträgliche Schmerzen hatte. Nach 3 Tagen rief meine Mutter endlich um Hilfe und ich wurde in die Klinik gebracht.“ erinnert sie sich.
Im Health Center schickte man sie weiter in ein Krankenhaus. Ihre Mutter und ihr Bruder wussten nicht, wie sie das Geld für die Busfahrkarte zusammen bekommen sollten. Schließlich lieh sich ihe Mutter Geld und sie fuhren in das Krankenhaus. „Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem durchnässten Bett und war schockiert und beschämt. Ich fragte meine Mutter, was mit meinem Baby passiert war und hörte die traurigen Nachricht vom Tod meines Babys. Ich vergrub mein Gesicht auf dem Bett und schrie.“
Wieder zuhause, sparte Gadissies Familie ein ganzes Jahr für das Geld für den Transport. Vor 10 Jahren ist Gadissie im Fistula Hospital angekommen. Sie hatte 4 Operationen, die alle nicht erfolgreich waren und kehrte wieder in ihr Dorf zurück. „Wir alle hatten die Hoffnung aufgegeben. Mein Mann hat mich verlassen, aber meine Eltern erlaubten mir, bei ihnen zu leben. So lebte ich 8 Jahre lang, bis die Gesundheitsbehörden mich fanden.“
Mit Hilfe der Health Worker kehrte Gadissie vor 6 Monaten wieder in das Fistula Hospital zurück und erhielt eine fünfte und letzte komplexe Operation, die sie völlig trocken ließ.
Sie wurde für das Rehabilitationstraining in Desta Mender in Betracht gezogen und absolvierte einen Kurs. „Wäre ich nicht hierher gekommen, könnte ich jetzt Selbstmord begehen. Ihr habt mich dazu gebracht, mich selbst wieder als eine Person zu sehen; ihr habt mich geheilt von dieser schrecklichen Verletzung, ihr habt mich mit Lebenskompetenzen ausgestattet und unterstützt mich dabei, mich von der Polio zu erholen. Wer sonst in dieser Welt würde eine solche ganzheitliche Betreuung geben; Das einzige, was ich tun kann, ist für den Rest meines Lebens immer für euch zu beten.“

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Alemitu Ayalew – Desta Mender Trainee

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Alemitu kommt aus einem kleinen Dorf in der Provinz Gojjam in Nordäthiopien. Dort gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. Die nächstgrößere Kleinstadt mit Krankenhaus ist einen halben Tag Fußmarsch entfernt.
Alemu ist die älteste von 6 Kindern der Familie und durfte die Schule bis zur 6. Klasse besuchen. Danach wurde sie in einer arrangierten Ehe verheiratet. Trotz allem verlief die Ehe sehr glücklich. Ihr Mann war Bauer und hatte eine kleine Landwirtschaft. Alemitu half ihm nach Kräften und alle lebten sehr zufrieden bis sie schwanger wurde.
Alemitu wollte bei ihrer Mutter entbinden. Die Wehen dauerten 3 lange Tage und endetem mit einer Totgeburt, Beinkontraktur und einer schrecklichen Geburtsfistel. „Alle meine Geschwister wurden zuhause geboren, meine Mutter hatte nie Probleme und war noch nie bei einer Vorsorgeuntersuchung.“ erinnert sie sich. Nach 3 Tagen wurde sie sehr geschwächt auf einer Trage zu Fuß in das nächste Krankenhaus gebracht.
Danach wurde sie nach Hause entlassen, unfähig zu laufen, mit tropfendem Urin und der Trauer über das verlorene Baby. Einen Monat später wurde sie im Außenzentrum in Bahir Dar zwei Mal operiert, aber beide Operationen waren erfolglos und sie gab die Hoffnung auf Heilung auf. Sie blieb 2 Jahre zuhause und weinte. „Tag und Nacht dachte ich darüber nach, was ich getan hatte um solch eine Bestrafung Gottes zu verdienen. Ich schämte mich und wollte nur noch sterben. Alle machten sich Sorgen um mich und verloren
den Fokus auf die Farm, die die einzige Lebensgrundlage ist.“
Als letzte Hoffnung verkaufte ihr Mann die einzige Kuh und brachte Alemitu 2014 nach Addis Abeba. Wegen der komplexen Operation, die sie dort erhielt, kehrte sie danach nie wieder nach Hause zurück.
Sie erhielt eine Umleitungsoperation und wurde wieder völlig trocken. So entschloß sie sich, in Addis Abeba als Reinigungskraft in einem Ausländerhaus zu arbeiten. Nachdem sie eineinhalb Jahre gearbeitet hatte, machte sie weiter, um ihr Eheleben mit ihrem Mann wieder aufzunehmen, der sie bis dahin unterstützt und auf sie gewartet hatte. „Er hat mich in all den Tagen des Leidens unterstützt. Ich vermisste ihn wirklich sehr und als er sich bereit erklärte, mit mir in Addis zu leben, war ich so glücklich. Wir hatten Glück, Jobs zu bekommen, genug, um in dem kleinen Haus, das wir gemietet haben, wieder ein glückliches Leben zu beginnen.“
Alemitus Unglück war noch nicht vorbei. Ende 2017, während sie mit dem Kerosinofen hantierte, hatte ein Feuerunfall ihr Gesicht schrecklich verbrannt und ihre Hände schwer verletzt. „Ich hatte Glück, zu überleben. Es tat so weh und das Feuer hat mein Gesicht verzerrt und einige meiner Finger gefressen und mich zwischen Leben und Tod zurückgelassen,“ erinnert sie sich.
Der Schaden an den Händen machte es schwierig, sich um die komplexe Fisteloperation zu kümmern, die sie hatte. Sie wurde bald in unserem Hauptkrankenhaus in Addis aufgenommen, um wenigstens ihren Fingern zu helfen. Mit dem kontinuierlichen Follow-up mit Verbrennungsspezialisten in der Stadt seit über sechs Monaten und einer Physiotherapie ist sie nun in der Lage, sich selbst zu helfen und ist relativ in gutem Zustand. „Ohne die endlose Unterstützung, die ich in hier erhalten habe, könnte ich nicht überleben. Ich bin machtlos, Ihnen meine tiefe Dankbarkeit auszudrücken. Ich wünschte, ich könnte „Emaye“ (Catherine) mein Alter geben, damit sie für immer leben kann. Gott segne diese Arbeit.“
Alemitu ist jetzt in Desta Mender im Rehabilitationstraining und hofft, das Leben mit ihrem Mann wieder aufzunehmen, der sie die ganze Zeit regelmäßig besucht und gewartet hat.

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Sinke Agmase – Desta Mender

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Sinke Agmase ist 51 Jahre alt und kommt aus der Region Oromiya. Sie wuchs in einem kleinen Dorf auf, gründete eine Familie und bekam 6 Töchter. Das Dorf liegt etwa 2 Tage Busfahrt von Addis und 2 Stunden Fußmarsch vom nächsten Marktflecken entfernt. Die Landwirtschaft deckt gerade die Lebenshaltungskosten. Strom, Wasser, medizinische Versorgung sind unerreichbare Luxusgüter. Trotz dieses einfachen Lebens war Sinke glücklich und zufrieden. Sie ist sechsfache Mutter und Großmutter. Die älteste Tochter hat schon eine eigene Familie gegründet, die anderen Mädchen gehen noch zur Schule.
Sinke bekam alle Kinder zuhause und ließ sich während der Schwangerschaften nie ärztlich untersuchen. Bei der sechsten und letzten Schwangerschaft wollte sie wieder zuhause entbinden und niemand wusste oder erwartete, dass es Komplikationen geben könnte. Die Wehen dauerten länger als 1 Tag und am Ende wurde ihre sechste Tochter geboren, die jetzt 8 Jahre alt ist.
„Zuerst sah alles gut aus, aber ich stellte fest, dass ich kein Wasser lassen konnte. Nach mehreren Tagen wurde ich in ein Krankenhaus gebracht, als ich plötzlich bemerkte, dass etwas in mir zu platzen schien und ein Schwall Urin aus mir floss. Ich schämte mich sehr.“
Nach 2 Wochen im Krankenhaus kehrte Sinke ohne Besserung nach Hause zurück und blieb dort 8 Jahre lang. „Ich war überzeugt, dass meine Krankheit unheilbar sei. Es hatte auf die Familie große Auswirkungen. Meine Töchter hatten Schwierigkeiten in der Schule und wir alle verloren das Lachen und die Heiterkeit.“
Am Ende entschied die älteste Tochter, die Mutter nach Addis Abeba zu bringen und dort nach Heilung zu suchen. Sie erbettelte bei Verwandten das Fahrgeld und reiste mit ihrer Mutter in die Hauptstadt. Dort gingen sie zu verschiedenen Krankenhäusern, bis man sie in das Fistula Hospital schickte. „Bis wir die Überweisung bekamen, hatten wir fast kein Geld mehr. Wir aßen nur einmal täglich, aber die Übernachtung war sehr teuer. Das Fistula Hospital bedeutete Rettung in mehrfacher Hinsicht.“
Sinke kam im März 2018 im Fistula Hospital an. Sie wurde untersucht und nach 4 Monaten durch eine Harnableitung total trocken. Am 30. August 2018 beendete sie das Reha-Training und wird bald in ihr Dorf zurückkehren, ein kleines Geschäft eröffnen und sich um ihre Töchter kümmern.

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