Yenenesh Channe – Bäckerin in Desta Mender

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Yenenesh ist etwa 34 Jahre alt und kam vor 20 Jahren zu uns. Sie ist mit ihrer
Großmutter in einem abgelegenen Dorf im Norden aufgewachsen. Das Dorf war war 7 Stunden Fußmarsch vom nächst größeren Marktflecken entfernt. Dort gab es keinen Strom und auch sonst nicht viel, alles war noch sehr traditionell.
Yenenesh besuchte nie die Schule, da es im Dorf keine gab. Sie hütete die Rinder und Schafe und half ihrer Großmutter zu Hause.
„Nach der Tradition der Gemeinde, wurde ich im Alter von 5 Jahren einem Ehemann in einer arrangierten Ehe gegeben und blieb bei meiner Großmutter und dem Platz seiner Mutter, bis ich 9 Jahre alt war. Mein Mann war viel älter als ich“, erinnert sie sich.
Für das kleine Mädchen Yenenesh war die Ehe kein Spaß. Unter Leitung ihrer Großmutter versuchte sie, den Haushalt zu bewältigen. Während der Mann auf den Feldern arbeitete, verbrachte Yenenesh einen anstrengenden Tag mit der Hausarbeit.
Mit 12 wurde Yenenesh zum ersten Mal schwanger und versuchte als Kind ein Kind zur Welt zu bringen. Als die Wehen begannen, kam das Baby 8 Tage lang nicht. Es war abgestorben, aber Yenenesh presste weiter bis sie ins Koma fiel. Nach 8 Tagen wurde der Fötus ausgetrieben und verletzte sie schwer.
„Als ich aufwachte, fand ich mich völlig unfähig, meine Beine zu bewegen. Ich schämte mich und schrie, bis ich in das nächste Krankenhaus gebracht wurde.“ erinnert sich Yenenesh. Durch die doppelte Inkontinenz und die Fußheberschwäche dachte das medizinische Personal im Krankenhaus an eine Vergewaltigung und nicht an eine Geburtsverletzung und weigerte sich, sie zu behandeln. Das Drängen und die Beharrlichkeit der Großmutter setzten sich letztendlich durch. Wissend, dass der Fall über ihre Kapazitäten hinausging, schickten die Ärzte Yenenesh in Richtung Addis Abeba. Damals gab es noch kein Außenzentrum in Bahir Dar und auch keine Ambulanz.
„Wer kam, um meinen Zustand zu sehen, sagt, dass er lieber sterben würde, als so zu leben, und ich hatte fast die Hoffnung auf Heilung aufgegeben“
Vor etwa 20 Jahren ist Yenenesh zum ersten Mal in das Fistula Hospital gekommen. Die erste Operation, damals noch von Dr. Catherine Hamlin, reparierte erfolgreich die rektale Fistel und ihre Fußheberschwäche zeigte eine signifikante Verbesserung, aber die Harninkontinenz blieb bestehen.
„Ich habe früher gedacht, dass ich mit einem solchen Problem die einzige auf der Welt bin. Als ich aber viele Frauen mit der gleichen Verletzung sah, wurde ich gestärkt und meine Hoffnung auf Heilung wiederbelebt. Vor allem die mütterliche Fürsorge, die ich erhielt, halfen mir sehr“ sagte Yenenesh.
Mit dem Termin für die nächste Operation ging Yenenesh zu ihrer Großmutter zurück, die so glücklich war und überrascht war von der Veränderung, die sie auf ihrem Enkel sah. Ein Jahr später kam Yenenesh wieder zurück.
„Ich verbrachte ein tragisches ein Jahr zuhause, schämte mich und wollte niemanden sehen.“, erklärt sie.
Seit ihrer zweiten Ankunft hatte Yenenesh 10 Operationen, die alle nicht erfolgreich waren, um den Inkontinenz zu stoppen. So blieb nur die Möglichkeit einer Umleitungsoperation, wofür sie für einige Zeit zögerte.
„Nachdem ich die Frauen in Desta Mender mit Umleitungsoperationen gesehen habe, entschloss ich mich dazu, um ein trockenes Leben zu führen. Im Jahr 2007 bekam ich die Operation, war danach völlig trocken und begann ein glückliches Leben dank Emaye (Dr. Catherine Hamlin) und allen anderen“. sagt Yenenesh.
Yenenesh nahm an Rehabilitationsprogrammen teil, arbeitete in der Hühnerfarm, auf dem Gemüsebauernhof, Milchviehbetrieb. Seitdem ist sie eine der dauerhaften Bewohnerinnen in Desta Mender.
„Seit ich in Desta Mender lebe, habe ich einmal meine Großmutter besucht. Sie war sehr erfreut über meinen Zustand. Dies blieb das einzige Mal, meine Oma ist danach verstorben.“
Während sie ein glückliches Leben in Desta Mender führte, wurde Yenenesh schwer verletzt. Sie litt an einer Nervenverletzung und war ein halbes Jahr lang halb gelähmt.
„Zum Glück erholte ich mich total von der lebensbedrohlichen Verletzung und jetzt geht es mir wieder so gut, daß ich niemals darüber nachdenke. Das ist nur Gottes Liebe und Fürsorge. Es lebe Emaye und alle großzügigen Unterstützer“, sagte Yenenesh.
Yenenesh arbeitet jetzt als Bäckerin in der Kantine der Hebammenschule.

http://fistula.de/hebammenschule_fistula.html

Belaynesh Siraw

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„Ich bin hier um mich voll und ganz bei der Verwirklichung des Traums von Dr. Hamlin, meinem Vorbild, eine Hebamme für jede Mutter zu widmen und ich glaube, dass ich es richtig mache“ Schwester Belaynesh.
Kurz nach ihrem Abschluss der der Hebammenschule im Jahr 2014 fing Schwester Belaynesh in einem der von Hamlin unterstützten staatlichen Gesundheitszentren im Norden, etwa 70 km entfernt vom Bahir Dar Außenzentrum an zu arbeiten. Sie begann ihre berufliche Karriere in der Gemeinde, in der sie aufgewachsen ist. Daher kennt sie Tradition und Kultur sehr gut.
„Mit seinen hohen Unterrichtsstandards und der wunderschönen Anlage hat die Hebammenschule  eine sehr gute Lernumgebung geschaffen, in der von den Schülerinnen nur erwartet wird, sich auf das Studium zu konzentrieren und einen sehr guten Abschluß zu machen “ erklärt Schwester Belaynesh.
Während ihres Trainings an der Hebammenschule absolvierte Belaynesh über hundert sichere Geburten. Das war ein nationaler Rekord in der  Hebammenausbilduung. Inzwischen haben auch andere Schülerinnen so viele Geburten betreut.
Schwester Belaynesh hat, wie andere Hebammenschülerinnen auch, nach ihrem Abschluß in einem Health Center gearbeitet und dort signifikante Veränaderungen erwirkt: Belaynesh allein betreut durchschnittlich 20 Geburten im Monat. Seit ihrem Einsatz ist keine Mutter mehr bei der Geburt gestorben.

Jetzt baut Hamlin Fistula ein neues Geburtszentrum, um eine dauerhafte Lösung zu finden. Solange müssen Schwester Belaynesh und ihre Kollegin noch den Dienst in einem engen und stickigen Raum leisten.

Ambessame Health Center

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Die meisten staatlichen Gesundheitscenter im ländlichen Äthiopien sind nach der Stadt oder dem Dorf benannt, in dem sie sich befinden. Das Gleiche gilt für das Ambessame Gesundheitscenter, eines der von Hamlin Fistula unterstützten  staatlichen Center. Es liegt 58 km nördlich unseres Außenzentrums in Bahar Dar.

Die Klinik versorgt über 47 Tausend Menschen ländliche Bevölkerung, die in und um die Dörfer von Ambessame herum leben. Ambessame liegt 15 km entfernt von der Hauptstrasse, die in die historische Stadt von Gondar führt.

Vor 6 Jahren hat HFE* begonnen  das Health Center zu unterstützen, um die damals schlechte medizinische Betreuung von Schwangeren und Müttern zu verbessern und obstetrischen Scheiden-Fisteln vorzubeugen.

Seither haben dort fünf Hamlin-Hebammen gearbeitet, von denen immer noch drei vor Ort sind. Die gesamte Entbindungsstation wurde zu einem guten Standart renoviert und Ausrüstung wie Heizung, Autoklavgerät und wichtige Medikamente wurden bereitgestellt.

Die Mentorin Schwester Hirut, selbst eine erfahrene Hebamme, besucht die Klinik regelmäßig, da sie eine der 8 von HFE* unterstützten staatlichen Kliniken in der Amhara Region ist, für die sie mit ihrer technischen Unterstützung von ihrer Basis, dem Bahar- Dar-Außenzentrum aus, zuständig ist.

HFE* hat außerdem Solarkollektoren in der Klinik installiert.

Im gesamten Einzugsgebiet arbeiten zurzeit drei Hamlin Hebammen sehr intensiv zusammen mit einer nicht von Hamlin ausgebildeten Kollegin. Mit dieser breit gefächerten Unterstützung konnte die Zahl der sicher begleiteten Geburten verdreifacht warden. Zur Zeit werden dort monatlich ca. 98 Kinder geboren, was mehr als 3 am Tag sind.

Tafetech, eine der drei Hamlin-Hebammen der Ambessame Klinik, sagte:” Wir sind hier, um das das Vertrauen der Gemeinde in professionelle medizinische Geburtshilfe, die bereits von unseren Vorgängerinnen aufgebaut wurde, aufrecht zu erhalten.  Durch die qualifizierte Ausbildung an der Hamlin Hebammenschule, sind wir nun dazu fähig.”

Das einzige noch bestehende Problem der Klinik ist zurzeit, dass Unterkünfte für Hebammen fehlen, die einen 24- Stunden- Dienst von Hebammen für gebärende Frauen gewährleisten könnten. Aber das sollte bald gelöst werden.

*HFE = Hamlin Fistula Ethiopia

Yifag Health Center

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Schwester Belaynesh und ihre Kollegin, Schwester Netsanet, sind beides Hamlin Hebammen, die direkt nach ihrem Abschluss dem Yifag Health Center, 90km vom  Bahar Dar Außenzentrum, zugeteilt wurden.

Die Klinik ist eine der acht von HFE* unterstützten staatlichen Kliniken der Amhara Region im Jahr 2014 und Belaynesh und Netsanet sind die beiden ersten Hamlin Hebammen, die dort vor zwei Jahren angestellt wurden.

In kurzer Zeit, hat es HFE* geschafft, die beiden gut ausgebildeten Hebammen hier anzustellen und die Entbindungsstation so zu renovieren, dass Mütter bevorzugt hier mit ausreichend medizinischer Ausrüstung und gute Betreuung entbinden.

Schwester Belaynesh erklärt: “ Als wir hier vor zwei Jahren ankamen, wurde die Entbindungsstation von anderen Krankenschwestern geleitet, die nicht als Hebammen ausgebildet waren. Damals wurden ungefähr 20 Kinder pro Monat geboren. Seitdem HFE* involviert ist und wir hier sind, entbinden mittlerweile 60 Frauen pro Monat. Die höchst professionelle Arbeit, die wir leisten hat das Interesse der Gemeinde geweckt und die Zahl der Frauen, die hier entbinden möchten, steigt jeden Tag.“

Das Yifag Health Center wurde gebaut, um über 35 Tausend  Menschen zu versorgen. Dennoch herrscht eine Mittelknappheit. Aufgrund von Mangel an Kreisssälen müssen sowohl Familienplanung als auch Schwangerschaftsuntersuchungen in einem kleinen Zimmerchen durchgeführt warden. Außerdem ist der Kreissaal so klein, dass dort nie mehr als zwei Frauen  gleichzeitig liegen können. Alle diese Probleme bleiben ein großes Anliegen für HFE und andere, die in diesem Bereich aktiv sind. HFE* ist, wie immer, sehr bemüht so viele Probleme wie möglich für das Yifag Health Center zu lösen.

*(HFE bedeutet Hamlin Fistula Ethiopia)

Wetet Abay Health Center

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Das Health Center  Wetet Abay ist eines der sechs – von Hamlin Fistula – unterstützten staatlichen Krankenstationen in der Nähe zu des Bahar Dar Außenzentrums im Norden Äthiopiens.

Das Health Center liegt in dem kleinen Dorf Wetet Abay an der Hauptstrasse 42km von Bahar Dar entfernt.

Vor 2010 entsprach das Health Center noch dem Level eines sogenannten “Gesundheitspostens”, der niedrigsten staatlichen Gesundheitsservice Institution, welche ausschließlich präventive Aufgaben erfüllte und nur zwei weibliche Pflegerinnen beschäftigte. 2010 wurde der Gesundheitsposten von der regionalen Regierung dann zu einem Health Center mit einem weitreichenderen Aufgabenfeld ausgebaut.

Zu Beginn fehlte es an Allem: professionelle Mitarbeiter, Ausrüstung, Arbeitsräume usw. Die begleiteten Geburten beliefen sich damals auf 1-2 pro Monat und wurden von nicht geschulten Krankenschwestern durchgeführt.

Unter dem präventiven Vorsatz von Hamlin Fistula war es das Ziel die medizinische Betreuung von Schwangeren und Müttern in ländlichen Regionen Äthiopiens zu verbessern. So wurde das Wetet Abay Health Center als ein ländliches staatliches Zentrum gezielt von Hamlin Fistula unterstützt, da es bis zum Jahr 2010 kaum medizinische Fortschritte zeigte.

Die beiden ersten  Absolventinnen des Hamlin College für Hebammen waren die ersten professionellen Hebammen, die im Helath Center 2011 eingestellt wurden.

Seitdem haben vier ausgebildete Hamlin Hebammen die Betreeung der Schwangeren, Geburten und Mütter im Wetet Abay Center hauptsächlich geleitet und eine signifikante Steigerung in Geburtenzahlen sowie der Qualität der Betreeung herbeigeführt. Mittlerweile ist die Zahl der Geburten auf bis zu 65 pro Monat gestiegen, was ein beispielhafter Unterschied zu den 2 Geburten pro Monat vor  6 Jahren ist.

Die Unterstützung beschränkte sich nicht nur auf die Bereitstellung von ausgebildeten Hebammen , sondern es wurde  auch eine Unterkunft für die Hebammen errichtet, um eine Rundumversorgung für Mütter der Region zu gewährleisten.

Im Januar hat Hamlin Fistula eine neu gebaute Entbindungsstation an die Wetet Abay Gemeinde übergeben. Dort bestätigte man, dass die Unterstützung durch Hamlin den langjährigen Mangel der Klinik an Untersuchungszimmern und Kreisssälen endlich beendet hat. Ein Einheimicsher sagte: “Spätestens jetzt sollten die Frauen eine Geburt in einem so gut aufgestellten Geburtshaus einer unsicheren Hausgeburt vorziehen. “

Schwester Siranesh und Schwester Agenehu sind jetzt die beiden älteren ausgebildeten Hamlin-Hebammen, die seit über zwei Jahren ihren Service im Wetet Abay Health Center leisten und die Betreung von Müttern und Schwangeren in einem Einzugsgebiet von über 30 Tausend Menschen gemeinsam mit ihren Kolleginnen managen.