Brigitte – Heftnummer (16/2017)

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In der Brigitte ist momentan ein 5-seitiger Bericht über das Fistula Hospital. Die Journalistin Andrea Jeska war im Frühjahr 2017 in Addis Abeba im Fistula Hospital. Diese Recherche wurde durch ein Stipendium des European Journalism Centre und der Gates-Stiftung ermöglicht. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Jeska, die Redaktion von Brigitte und die Gates-Stiftung.

Mehr Infos und Artikel Download unter:Presse Fistula.

Tesfanesh Debocha

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Tesfanesh kommt aus Süd-Äthiopien, wo mehr als 40 ethnische Gruppen von verschiedenen Sprachen und Traditionen zusammenleben. Sie ist in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kenbatta aufgewachsen. 30 Minuten entfernt befindet sich der nächstgelegene Markt mit Health Center und kleinen Läden.
Tesfanesh verbrachte ihre Kindheit damit, sich um Rinder zu kümmern und ihrer Mutter zu Hause zu helfen, bis sie im Alter von 15 Jahren verheiratet wurde.

Sie hat nie eine Schule besucht, wie die meisten jungen Mädchen des Dorfes, obwohl es eine Grundschule in der Nähe des Dorfes gibt. Für Tesfanesh war das Leben als Hausfrau am Anfang schwierig, aber sie gewöhnte sich allmählich daran. Nach einem Jahr wurde Tesfanesh schwanger. Die Schwangerschaft verlief normal und sie besuchte nie eine Vorsorge. Als der Geburtstermin in die Nähe rückte, sollte ihre Mutter ihr beistehen. Das war in ihrem Dorf schon immer so üblich.

Tesfanesh hatte drei Tage lang Wehen, bis sie bewusstlos wurde und die besorgte Familie sie in das nahe gelegene Health Center brachte. Sie trugen sie auf einer selbst gezimmerten Trage. Vom Health Center wurde sie in das nächt größere Krankenhaus verwiesen. Dort wurde ein Kaiserschnitt gemacht, aber es war zu spät, das Kind war tot und Tesfanesh hatte eine Fistel. „Als ich aufwachte, bemerkte ich, dass alles vorbei war. Kein Baby an meiner Seite und ich lag in meinem Urin. Ich habe mein Gesicht zwischen meinen Knien begraben und lange geweint „, sagte Tesfanesh.
Das Krankenhaus schickte Tesfanesh zu dem Außenzentrum Yirgallem in Südäthiopien. Vor 8 Jahren kam sie mit ihrem Bruder dort an. Sie musste mehrere Male operiert werden. Die letzte Operation war eine Harnableitung im Fistula Hospital in Addis Abeba. Diese verlief erfolgreich und Tesfanesh ist jetzt für immer trocken.

„Ich habe 8 Jahre lang einsam und isoliert gelebt. Mein Mann hat mich verlassen und gleich wieder geheiratet. Was hat mir geholfen hat, war die bedingungslose Hingabe, die ich im Fistula Hospital  erfahren habe „, erzählt Tesfanesh. Der Name ‚Tesfanesh‘ bedeutet auf Amharisch ‚Sie ist Hoffnung‘.

Insgesamt hatte sie vier Operationen, bei denen drei wegen der schweren Verletzung der Blase, nicht erfolgreich waren. Tesfanesh wurde nach der neuen Technik der Harnableitung operiert. Dadurch ist es möglich, Stuhl und Urin durch das Rektum auszuscheiden. „Ich bin jetzt froh, dass ich trocken schlafe. Ich schäme mich nicht mehr und bin bereit, mit vollem Vertrauen nach Hause zu kommen. Hätte ich für all diese außerordentlichen Diensten bezahlen müssen, ich hätte es niemals mir leisten können. Ich bedanke mich herzlich bei allen, die mir geholfen haben, meine Würde zurückzubringen und mich wieder eine Frau zu machen „, sagte Tesfanesh.

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Getenesh Tadesse – Hausmeisterin in Desta Mender

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Getenesh wurde in einem abgelegenen Bergdorf geboren, wo es keinerlei Infrastruktur gibt. Die Dorfbewohner müssen mindestens sechs Stunden laufen bis zur nächsten Klinik, Schule oder Elektrizität. Getenesh besuchte nur kurze Zeit die Schule, dann blieb sie zu Hause und half ihrer Mutter. Sie kümmerte sich um Kühe und Schafe. Mit 14  Jahren wurde Getenesh verheiratet. 
Ein Jahr nach der Heirat wurde Getenesh zum ersten Mal schwanger. Die Schwangerschaft freute die ganze Familie, weil Unfruchtbarkeit im traditionellen ländlichen Äthiopien etwas Schlimmes ist. Sie verbrachte normale neun Monate ohne eine einzige ärztliche Untersuchung. Ihre Mutter  betreute sie während der Wehen. Eine andere Option gab es nicht. Die nächste Klinik war 6 Stunden Fußmarsch entfernt. Die Wehen dauerten 4 lange Tage. „Am vierten Tag, an dem ich keine Bewegung im Mutterleib fühlte, dachte ich, ich hätte Erleichterung und wollte zunächst nicht in die Klinik. Dort hörte ich, dass ich mein Baby verloren habe“, erinnert sich Getenesh. Nach sechs Stunden auf einer selbst gebauten Trage, wurde Getenesh in das nächste Health Center gebracht. Von dort wurde ich in das nächste Krankenhaus gebracht. Die Familie muss eine Fahrtmöglichkeit finden und sie blieb eine weitere Nacht in der Klinik. Am sechsten Tag kam Getenesh sehr schwach und bewußtlos ins Krankenhaus. Das tote Baby wurde mit der Zange geholt, dabei wurde die Blase verletzt. Als sie wieder zuhause war, bemerkte sie, dass sie inkontinent war. 
Das Krankenhaus schickte sie in das Fistula Hospital, wo Getenesh, begleitet von ihrer Tante,vor etwa 10 Jahre ankam.  Sie wurde mit Medikamenten versehen und nach Hause geschickt mit einem Termin zur Behandlung. Nach einem Jahr war ihre Blase geschlossen und sie konnte überhaupt nicht urinieren. So wurden auch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen und Getenesh kam erneut in das Fistula Hospital.  Die erste Operation war noch nicht erfolgreich, vor allem die Nierenschmerzen nahmen zu. Über vier Jahre blieb Getenesh unter lebensbedrohlichem Zustand hier in unserem Krankenhaus. Die Harnableitung im Jahr 2011, war erfolgreich und Getenesh erholte sich völlig.  Sie wurde völlig trocken und ihre Nieren besserten sich. Wegen des schwierigen Falles konnte Getenesh nicht in ihr Heimatdorf zurück. Sie wurde in das Rehabilitationsprogramm in Desta Mender aufgenommen und trainierte verschiedene Fähigkeiten, wie Gemüsebau und Milchwirtschaft. Neben dem Reha-Training ging sie in die Abendschule, die sie nun erfolgreich beendet hat. Vor einem Jahr begann Getenesh als Hausmeisterin und Putzfrau. Sie lebt unabhängig in einem gemieteten Haus in der Nähe von Desta Mender. „Die Probleme, mit denen ich in den vergangenen zehn Jahren konfrontiert war, waren früher nicht zu überwinden, aber dank Hamlin habe ich das Unmögliche möglich gemacht und hier fühle ich mich besser als je zuvor und träume von der Zukunft“, sagte Getenesh. „Immer wenn ich Emaye (Dr. Catherine Hamlin) sehe, wünsche ich, dass ich ihre Sprache sprechen könnte und mich bedanken könnte für alles, was sie und ihr Team mit mir gemacht haben. Ich bezweifle sogar, dass meine eigene Mutter mich so bedingungslos lieben könnte“, fügte sie hinzu.