Birke Bayu – Hebammenschülerin

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Birke Bayu ist 21 Jahre alt und kommt aus Debreberihan, 120 km entfernt von Addis Abeba. Sie ist die zweitälteste in der Familie und hatte schon immer sehr gute Ergebnisse in der Schule. Ihr Abitur bestand sie in allen Fächern mit Bestnoten.
„Ich träumte immer davon, Ärztin zu werden, erhielt aber keinen Studienplatz. Als ich die Möglichkeit sah, Hamlin Hebamme zu werden, habe ich mich sofort beworben“ erinnert sie sich. Nach den harten Aufnahmeprüfungen trat Birke vor drei Jahren in das Hamlin Collage für Hebammen ein und begann mit großer Leidenschaft.
Birke ist auch in der Hebammenschule eine der wenigen Schülerinnen, die in allen Fächern Bestleistungen bringt. Sie hat einen Notendurchschnitt von 3,93 (von 4,00). Jetzt ist sie in der Abschlußklasse und wird im Sommer ihr Diplom erhalten, zudem wahrscheinlich noch die Hamlin-Medaille für den besten Abschluß.
„Seit meinem ersten Tag im College bin ich begeistert von allem hier. Die Landschaft ist wunderschön, die Lehrpläne, die Methodik und das Klassenzimmer sind professionell und standardisiert. Leider ist die Innenstadt sehr weit entfernt. Ich bin stolz darauf, ein Teil von Dr. Hamlins Traum zu sein. Ich danke meinen Sponsoren“
Hebammenausbildung

Mulu Addis – selbständige Kaffeehausbesitzerin!

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Mulu Addis ist 35 Jahre alt und kommt aus Asossa, einer Kleinstadt in der Region Oromiya. Vor 15 Jahren kam sie zum ersten Mal ins Fistula Hospital.
In Asossa gab es eine Schule und eine Klinik. Trotzdem besuchte Mulu nie die Schule, sondern half ihren Eltern bis sie mit 19 Jahren einen Bauern heiratete und eine Familie gründete. Die Ehe verlief sehr glücklich und nach 2 Jahren wurde sie schwanger.
Während der Schwangerschaft nutzte Mulu häufig die Möglichkeit zur Schwangerenberatung. Die Wehen dauerten 2 Tage bis sie mit einem Krankenwagen in die nächstgrößere Klinik gebracht wurde. Sie war 2 Tage lang bewußtlos und bekam von dem Kaiserschnitt nichts mit.
„Als ich aufwachte, fand ich mich durchnässt und im Bad bemerkte ich, dass ich den Urin nicht kontrollieren konnte. Zuerst sagten mir die Krankenschwestern, dass es nach einer Weile aufhören würde, aber ich wußte, dass ich inkontinent bin und schrie „, erinnert sie sich.
Sie blieb zunächst 4 Monate zuhause bevor sie im Fistula Hospital in Addis Abeba ankam.
Ihre erste Operation vor 15 Jahren in unserem Krankenhaus war nicht erfolgreich und sie wurde für ein Jahr nach Hause geschickt.
„Ich habe über 10 Jahre lang ein schreckliches Leben mit Fisteln geführt. Ich habe meine Ehe, mein soziales Leben, mein Vertrauen, meine Würde und alles verloren. Zwischendurch habe ich auch meine Eltern verloren, was sehr schlimm war. Erst als ich anfing, vor vier Jahren mit Plug zu arbeiten, wurde es besser.“
Vor fünf Monaten kam Mulu wieder zurück und erhielt eine Harnableitung. Seitdem ist sie völlig geheilt und trocken.
„Hier habe ich auch verschiedene Fertigkeiten gelernt. Jetzt denke ich daran, besser zu leben. Zuhause habe ich ein kleines Kaffeehaus eröffnet. All dies wurde durch euch alle möglich gemacht. Danke, dass ihr mir mein Leben zurück gegeben habt“, erklärt Mulu.

Eskedar Mekonin – Patientin und Studentin

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Eskedar wuchs in einer Bauernfamilie auf. Sie lebte in einem kleinen Dorf in der Region Gojjam in Nordäthiopien. Dort gab es nur ein kleines Health Center, dass zudem schlecht ausgerüstet war. Für bessere gesundheitliche Versorgung musste man 30 km zu Fuß in die nächstgrößere Stadt laufen.
Wie die meisten Frauen im Dorf besuchte Eskedar nie eine Schule, sondern wurde mit 5 Jahren verheiratet. Sie blieb aber bis zum 10. Lebensjahr bei ihrer Mutter und lernte Kochen und Haushaltsführung.
„Mit 10 Jahren lebte ich im Haushalt meines Mannes, der viel älter war als ich.“, erinnert sich Eskedar.
Mit 11 Jahren hatte Eskedar zum ersten mal Geschlechtsverkehr und war verwirrt, weil sie nicht wusste, was das bedeutete. Sie wurde auch gleich schwanger, hatte aber während der Schwangerschaft Schmerzen, weswegen sie einige Male das Health Center aufsuchte. Als die Wehen einsetzten, ging sie zu ihrer Mutter. Da sie viel zu jung für eine Schwangerschaft war, gabe es Probleme während der Geburt. Am 3. Tag der Wehen wurde sie in das Health Center gebracht, von dort aber weitergeschickt in das 30 km entfernte nächstgrößere Krankenhaus, wo sie ein totes Baby zur Welt brachte. Sie war 3 Tage bewußtlos und erwachte inkontinent.
„Ich blieb über einen Monat im Krankenhaus, aber ich hatte die Kontrolle über meinen Körper verloren. Zu wissen, dass ich inkontinent bin, war schrecklich und ich wollte am liebsten sterben.“ erinnert sich Eskedar. 4 Monate später erreichte sie das Fistula Hospital in Addis Abeba mit einem Überweisungsschein des Regierungskrankenhauses.
„In den drei Monaten zuhause, habe ich nie schlecht gerochen oder wurde von anderen diskriminiert. Meine Mutter war die ganze Zeit an meiner Seite. Sie wusch mich dreimal am Tag, sie füttere mich mit nahrhaftem Essen. Sich um mich zu kümmern blieb ihr einziger Fokus. Ich liebe dich Mama!“, sagte Eskedar
Vor 13 Jahren war Eskedar in Begleitung ihrer Mutter ins Fistula Hospital gekommen. Das Außenzentrum Bahir Dar gab es damals noch nicht.
Der erste Operation verlief nicht wie erwartet. Sie wurde, noch immer inkontinent entlassen und blieb bei nahen Verwandten ihrer Mutter in Addis Abeba. Die Verwandten regten Eskedar zum Schulbesuch an und mit 13 Jahren kam sie in die 1. Klasse. Niemand in der Schule bemerkte, dass sie inkontinent war.
„Ich weiß, dass, wenn jemand meinen Zustand bemerkt hätte, wäre ich stigmatisiert worden und hätte die Schule verlassen müssen. Aber das ließ ich nicht geschehen. Während ich in der Klasse war, habe ich nicht viel Wasser getrunken, ich verwendete grobe Tücher unter die Unterhose und konzentrierte mich auf die Ausbildung. Auf diese Weise habe ich die 12. Klasse abgeschlossen und wäre beinahe in die Universität aufgenommen worden“, sagte Eskedar.
Für Eskedar waren diese Schuljahre schwierig, sie musste immer wieder wegen gesundheitlicher Probleme das Fistula Hospital besuchen und war natürlich auf der Suche nach einer endgültigen Lösung für die Harninkontinenz.
Vor sechs Monaten diagnostizierten Dr. Renate Röntgen, eine deutsche Urologin und Dr. Fekade, der medizinische Direktor, Eskedar erneut und führten eine zweite Harnableitung durch, die sie völlig trocknen ließ und für immer von ihren über 10 Jahren andauerden Leiden befreite.
Jetzt ist Eskedar trocken, aber ihr Traum, zu studieren, ist nicht realisierbar. Die Familie ist wirtschaftlich nicht in der Lage, ihre Studium zu bezahlen. Ihr blieb nur die Möglichkeit, wieder in ihr Dorf zurückzukehren und bei ihrer Mutter zu leben.
„Wie immer kam ich ins Krankenhaus und beriet mich mit Hamlin Mitarbeitern über mein weiteres Leben. Sie reagierten positiv wie immer und erlaubten mir, in Desta Mender zu bleiben, meine Schulgebühren zu übernehmen und mich an einer Privatuniversität mit dem Studium der Buchhaltung beginnen zu lassen. Eine solch unglaubliche Unterstützung ist nur bei Hamlin Fistula möglich, danke, dass ich meinen Traum erfüllen kann“, erinnert sich Eskedar.
In Anbetracht ihres Talents mit der Fürsprache der Sozialarbeiterin hat HFE Eskedar als einen Spezialfall betrachtet und die Entscheidung getroffen, ihre Ausbildungsgebühr zu übernehmen.
Jetzt lebt Eskedar in Desta Mender als Studentin eines Colleges, die ihre Freizeit damit verbringt, verschiedene Bücher zu lesen.
„Nach dem Abschluss ist es mein Traum, meiner Mutter zu helfen und mein Dorf zu erziehen, die rückwärtigen Traditionen zu ändern, die über Frauen wie mich ausgeübt werden“

Ruziya Adem

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Ruziya ist schätzungsweise 22 Jahre alt und kommt aus der muslimischen Familie. Sie ist in einem kleinen Dorf im Osten Äthiopiens aufgewachsen wo es weder eine Schule noch ein Health Center gab. Ruziya kommt aus einer Analphabeten-Familie, deswegen hat sie auch nie eine Schule besucht. Mit etwa 15 Jahren wurde sie mit einem viel älteren Mann verheiratet. Wie seit Generationen üblich träumte auch Ruziya davon zu heiraten und glücklich zu werden. Sie kümmerte sich um den Haushalt während ihr Mann auf den Feldern arbeitete. Kurz nach der Hochzeit wurde sie schwanger und die Familie war darüber sehr glücklich. Die Schwangerschaft verlief ohne Probleme und für Ruziya war es normal zu Hause zu entbinden. Die Wehen dauerten 3 lange Tage ohne daß sich etwas tat.
Die besorgte Familie versuchte alle möglichen traditionellen Hilfsweisen, von denen keine funktionierte. Erst dann wurde Ruziya in das nächste Health Center gebracht. Aber es war zu spät und sie wurde weiter in ein Krankenhaus geschickt. Sie war bewusstlos, als sie dort ankam.
„Es war mir nicht bewusst, was passiert ist, bis ich nach zwei Tagen aufwachte. Ich fragte meine Mutter, wo ist mein Baby sei und wo ich wäre, sie beruhigte mich und erzählte mir alles „, sagt Ruziya.
Das Baby war eine Totgeburt und sie inkontinent. „Als ich bemerkte, dass ich nicht in der Lage bin, meinen Urin zu kontrollieren, weinte ich gründlich. Als die Krankenschwestern mir über eine mögliche Heilung im Hamlin Fistula Hospital in Addis Abeba erzählt haben, bekam ich Hoffnung auf Heilung „, erinnert sich Ruziya.
Ruziya blieb für 6 Monate bei ihrer Mutter,und versuchte, zu Kräften zu kommen. Als ihr Mann hörte, was mit Ruziya geschehen war, schickte er sie weg und heiratete eine andere Frau.
Vor 3 Jahren kam Ruziya zum ersten Mal in das Fistula Hospital, begleitet von ihrem Bruder. Sie wurde freundlich begrüßt und man begann mit der ganzheitlichen Behandlung. Ruziya wurde 3 mal operiert, aber die ersten beiden Operationen waren nicht erfolgreich. Zu sehr war die Blase zerstört. Vor 4 Monaten erhielt sie eine Harnableitung und ist jetzt völlig trocken.
Zurzeit abolviert sie in Desta Mender ein Reha-Training um selbständig leben zu können.
„In all diesen Tagen der Inkontinenz habe ich niemals die Hoffnung aufgegeben, die Behandlung durch meinen Mannes hat mich dazu gebracht, stärker zu sein als zuvor. Keiner im Dorf wußte, daß ich eine Fistel habe, ich war sauber gekleidet und gewaschen und parfümiert. Aber das war voller Frustration „, erinnert sie sich.
„Danke an Dr. Fekade und seine Krankenschwester, jetzt bin ich trocken und arbeite eifrig an der Veränderung meiner Zukunft. Meine Mutter hat aufder Suche nach Heilung für mich alles verloren, bis ich hier ankam, wo ich nie etwas für den ganzen Service bezahlen mußte, den ich bekam. Du bekommst diese bedingungslose Liebe und Sorge auch nicht aus deiner eigenen Familie. Vielen Dank für alles, was ihr für mich getan habt.“Ruziya.
Zu der Zeit dieses Interviews absolviert Ruziya in Desta Mender das Rehab-Training, nächste Woche beendet sie den dreimonatigen Aufenthalt und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

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Erwachsenenbildung in Desta Mender

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Informelle Erwachsenenbildung bleibt eine der Schwerpunkte des Rehabilitations-Trainings für Langzeitpatientinnen. Alle Frauen, die dafür in Frage kommen, sollen verschiedene Lernstufen durchlaufen. Sie lernen gemeinsam und überwinden Herausforderungen. Das ist der Hauptteil der Rehabilitation.
Ruziya, Wubanchi, Wubet, Yeshalem, Birhane, Seble und Meroo sind Mitglieder der 12. Ausbildungsrunde in Desta Mender. In drei Monaten machen sie ihren Abschluss. Vor ihrem Abschluss gehen sie nach Addis Abeba um die Arbeit einer erfolgreichen Kooperative zu sehen, die von Personen mit verschiedenen Behinderungen gegründet wurde. Die „Aynalem, Elias und Friends Handwerk Association“ befindet sich in Addis Abeba wurde von 2 Männern mit Hörproblemen und einer Frau mit einer Beinverletzung gegründet. Im einer Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderungen wenig Chancen haben, meisterten Aynalem und ihre Freunde haben viele Herausforderungen in den letzten Jahren und geben ihre Erfahrungen jetzt an Menschen in ähnlichen Situtationen weiter.
Tigist Aman, die als Lernkoordinatorin bei Desta Mender arbeitet, sagt: „Die Frauen haben in den vergangenen drei Monaten verschiedene Trainings durchlaufen und sind gestärkt für eine erfolgreiche Zukunft.“
„Ich hätte nie gedacht, dass Menschen mit Behinderungen so tolle Produkte machen und selbständig leben können.“ sagt Wubanchi, eine der Frauen.

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