Radiya ist 40 Jahre alt und hat 3 Söhne und 2 Töchter. Sie kommt aus dem Osten Äthiopiens und lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe des Außenzentrums Harar. Da der Ackerboden nicht ertragreich genug war um die Familie zu ernähren, beschlossen Radiya und ihr Mann vor etwa 5 Jahren, in ein neues Dorf umzuziehen, das etwa 600 km entfernt von dem alten liegt.

Die Bevölkerung in diesem Teil des Landes heißt Hararge, allgemein bekannt für ihr freundliches Wesen und die starke soziale Integrität. Radiya fühlte sich dort sehr glücklich, trotz der ganzen Widrigkeiten, mit denen die Frauen im ländlichen Äthiopien konfrontiert sind. Jeden Morgen bereitete sie das Frühstück für die Familie, holte Wasser aus einem weit entfernten Wasserloch, sammelte Feuerholz, kochte das Mittagessen und brachte es auf das Feld zu ihrem Mann.

Obwohl sie im Schulalter waren, schickte sie ihre Kinder niemals in die Schule, sondern auf das Feld oder zu den Kühen.

Vor 6 Jahren, bei ihrer 5. Schwangerschaft, begannen die Wehen zuhause und Radiya hoffte, es würde so leicht gehen wie die vorherigen 4 Geburten. Aber dieses Mal dauerten die Wehen 2 Tage bis die Familie entschied Radiya in das 100 km entfernte Krankenhaus zu bringen. Es war zu spät, die Ärzte konnten nur noch Radiyas Leben durch einen Kaiserschnitt retten. Das Baby war eine Totgeburt und die Wehen hatten eine Blasen-Scheiden-Fistel verursacht.

Mit einer Überweisung erreichte Radiya nach nur 3 Monaten das Außenzentrum in Harar. Die erste Operation war erfolgreich und sie konnte schon nach 1 Monat wieder geheilt nach Hause zurückkehren.

„ Ich dachte niemals, dass ich in so kurzer Zeit vollkommen geheilt werden könnte und erzählte niemandem was passiert war, ich ging nur nach Hause und lebte mit meiner Familie wie vorher.“

2 Jahre später wurde Radiya erneut schwanger. Wie fast überall im ländlichen Äthiopien, gab es keine medizinische Versorgung und die Leute lebten auf traditionelle Weise. Die Frage, wo Radiya entbinden sollte, stellte sich nicht. Die Wehen begannen, sie blieb zuhause, aber schon nach einem Tag wurde sie ins nächste Krankenhaus gebracht. Dieses Mal hatte sie Glück und das Baby überlebte, aber die Blase war erneut gerissen und Radiya wieder inkontinent.

Sie wusste nichts über das Fistula Hospital in Addis Abeba, sondern suchte erneut das Zentrum in Harar auf, von wo aus sie in die Hauptstadt geschickt wurde. Die 2. Operation vor etwa 1 Jahr verlief nicht so erfolgreich, weil die Blase zu stark zerstört war.

Mit der Ambulanz erreichte Radiya vor etwa 5 Monaten das Fistula Hospital. Jetzt ist sie im postoperativen Saal untergebracht – nach erfolgreicher Harnableitung und wartet ungeduldig auf ihre Entlassung.

„‘Obwohl ich ihre Sprache nicht spreche, nehme ich Dr. Hamlins Hand und küsse sie jedes Mal, wenn ich sie treffe. Wegen ihr habe ich wieder Hoffnung. Möge Allah sie segnen und ihr ein langes Leben schenken.“