Tigist

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“Medde Jalelaa”, das bedeutet Quell der Liebe und ist der Name eines abgelegenen Dorfes in der Region Oromiya. Hier wurde die 16-jährige Tigist mit einem um etliche Jahre älteren Bauern verheiratet und gründete mit ihm eine Familie. In den Ort gab es weder Straßen, noch Elektrizität und auch keinerlei ärztliche Versorgung. Die nächste medizinische Einrichtung war 2 Stunden Fußmarsch entfernt.

Tigists Familie lebte ein sehr traditionelles Leben. Das jährlich geerntete “teff”, das traditionelle äthiopische Getreide, reichte gerade für die täglichen Mahlzeiten, aber nicht dafür, etwas für die Zukunft beiseite zu legen.

Bis zu ihrer ersten Schwangerschaft machte es Tigist neben ihrer Hausarbeit auch sehr viel Freude, ihrem Ehemann bei der Landwirtschaft zu helfen.

Tigist war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. Eine schwierige und sicher auch frustrierende Situation für so ein junges Mädchen. Während der 9-monatigen Schwangerschaft hatte Tigist nie die Möglichkeit, eine Gesundheitseinrichtung zu besuchen und so mußte sie, wie die anderen Frauen im Dorf, zu Hause gebären. Die einzige Hilfe, die sie hatte, war die ungelernte traditionelle Geburtshelferin des Dorfes.

Diese ältere Frau hat Erfahrung mit der traditionellen Art der Geburtshilfe und hat bereits vielen Frauen des Ortes während der Geburt beigestanden. Aber als Tigist in den Wehen lag, verstand diese Helferin nicht, daß etwas schief lief und es sich um eine Risikogeburt handelt. Sie ließ Tigist drei Tage lang pressen, dann waren alle ihre traditionellen Geburtshilfemethoden ausgeschöpft – keine davon hatte geholfen. Am dritten Tag fiel das Mädchen in ein Koma und nun beschloss der Ehemann, sie ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Im Krankenhaus konnten die Ärzte zwar das Leben von Tigist retten, das Kind jedoch wurde tot geboren und Tigist selbst erlitt eine Geburtsverletzung, die eine dauerhafte Inkontinenz verursachte.

Nachdem diese Geburtsverletzung nach drei Monaten immer noch nicht verheilt war, erhielt Tigist von dem Krankenhaus, das sie während der Geburt aufgenommen hatte, ein Referenzschreiben für eine weitere Behandlung am Addis Abeba Fistula Hospital.

Vier Jahre ist es nun her, daß sie 20 Tage lang im Fistula Hospital behandelt und vollkommen von der verheerenden Verletzung geheilt worden war. Ihr Ehemann, der ihr während der ganzen Zeit ihrer Verletzung und Inkontinenz zur Seite gestanden hatte, war überglücklich, sie danach wieder an seiner Seite zu haben.

“In dem Moment, als ich im Krankenhaus ankam und all die anderen Frauen traf, die jahrelang unter dem gleichen Problem litten wie ich, verstand ich, wie glücklich ich sein konnte, daß ich nur für eine so kurze Zeit zu leiden hatte und innerhalb von nur 20 Tagen geheilt werden konnte. Ich bin Gott und allen hier so dankbar!” erklärt Tigist.

Vier Jahre nach ihrer Fistelbehandlung kam Tigist nun wieder ins Fistula Hospital, diesmal im 8. Monat schwanger. Mit Hilfe eines Kaiserschnitts konnte sie vor einer Woche sicher ihr Baby zur Welt bringen und zum ersten Mal Mutter werden.

Etwa zwei Wochen wird sie nun nach der Geburt im Hospital bleiben, bis ihr Ehemann kommt, um sie und den neugeborenen Sohn abzuholen.

“Ich kann nicht gut meine wirklichen Gefühle beschreiben, aber ich kann versichern, daß ich immer für ein langes, gesundes Leben für all diejenigen beten werde, die hier arbeiten und mir halfen, meine Würde zurückzuerhalten und mich wieder zu einer Frau zu machen.”

Tag der Kulturen im Hamlin Hebammen College

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In Äthiopien gibt es über 80 verschiedene ethnische Gruppen mit eigener Sprache, Tradition und Kleidung. Das Land feiert seit 2005 jährlich am 8. November den Tag der Kulturen

Im Hamlin Hebammen College gibt es Schülerinnen aus allen Ecken des Landes und den verschiedenen Kulturen, dazu zählen nicht nur die Schülerinnen, sondern auch Lehrer und Mitarbeiter. Deswegen wird auch dort jedes Jahr der Tag der Kulturen gefeiert.

An diesem sonnigen Tag sah die ganze Hebammenschule wunderschön und bunt aus, weil alle in ihren traditionellen Kleidern und Haartrachten feierten. Es wurde gesungen und getanzt und niemand konnte ruhig sitzen bleiben.

Der Dean des Colleges, Ato Zelalem, merkte an: „Heute feiern wir alle eine Party und brechen aus unserer üblichen Routine aus. Alle sehen so wunderschön, so verschieden und farbenfroh in ihren traditionellen Trachten aus, genießen Sie das Fest.“

Es gab verschiedene Spiele, der Renner war aber die Wahl der Miss Hamlin 2016. Es war so schwierig sich festzulegen und alle verstanden auf einmal, das die jungen Frauen nicht nur angehende Hebammen sind, sondern auch junge Mädchen mit Talent zum Tanzen und Schminken.

In einem Kopf an Kopf Rennen gewann Mahilet die Krone gegen 4 Finalistinnen – bis zum nächsten Jahr.

 

Toleni Beyene

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Toleni ist 28 Jahre alt. Nach ihrer Hochzeit mit nur 15 Jahren siedelte sie zu ihrem Mann und seiner Familie über und lebte mit ihnen in einem kleinen Dorf, weit entfernt von der nächsten Kleinstadt. Dort gab es keine Straßen, Ärzte oder Elektrizität. Alles lag mindestens 4 Stunden Fußmarsch entfernt.

Da  die Familie hauptsächlich von Landwirtschaft lebte, arbeitete Toleni im Haushalt und verwaltete das geringe Familieneinkommen. Bei Bedarf arbeitete sie auch mit ihrem Mann auf den Feldern. Für diese schwere Arbeit war sie eigentlich noch viel zu jung. Aber sie gewöhnte sich daran und akzeptierte ihr Schicksal.

Toleni, die nie eine Schule besucht hatte, führte eine relativ glückliche Ehe und hatte bald 2 Kinder. Sie nahm aktiv am Leben in der Dorfgemeinschaft teil und verstand sich gut mit allen – bis sie eine schlimme Geburtsverletzung hatte. Eine Blasen-Scheiden-Fistel.

Toleni hatte innerhalb von 10 Jahren 2 Mal Geburtsfisteln. Das erste Mal im Alter von 16 Jahren bei ihrer ersten Schwangerschaft. Nach 3 Tagen Wehen wurde sie in die nächste Klinik gebracht, wo ihr Baby tot geboren wurde und sie eine Blasen-Scheiden-Fistel hatte. Nach 3 Monaten wurde diese in dem staatlichen Krankenhaus geschlossen und sie lebte wieder mit ihrer Familie.

Seitdem war Toleni 4 Mal schwanger, 2 Babies starben und 2 Kinder überlebten. Toleni hat eine Tochter von 9 Jahren und einen Sohn von 3 Jahren. Alle Kinder wurden zuhause entbunden.

Nach 10 Jahren wurde Toleni zum 5. Mal schwanger und sie entschloss sich in dem neuen Krankenhaus in der Nähe ihres Dorfes zu entbinden. Leider dauerten die Wehen wieder länger als einen Tag und endeten mit Totgeburt und Fistel.

Das Glück hatte die Familie verlassen und Frust machte sich breit. Nach 6 Monaten voller Depressionen machten sich Toleni und ihr Mann auf den Weg nach Addis Abeba zum Fistula Hospital. Eine Verwandte, die hier geheilt wurde, hatte Toleni davon erzählt.

Toleni war eine der ersten Patientinnen, die in dem neu renovierten OP operiert wurden. Schon nach 2 Wochen konnte sie geheilt wieder nach Hause zurückkehren.

„es ist immer noch schrecklich, an diese 6 Monate zurückzudenken, wo Urin den ganzen Tag meine Beine herunterlief. Ich saß nicht mehr mit meinen Nachbarinnen zum Kaffeetrinken oder ging auf den Markt. Ich war in mehreren Krankenhäusern bevor ich hierher kam. Hier fühlte ich mich nie alleine, alle waren immer sehr freundlich und hilfsbereit wie in einer großen Familie. Vielen Dank für alles.“

 

Konsorechafa Health Center

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Wir unterstützen unt

er anderem die Geburtshilfe im Konsorechafa Health Center in Südäthiopien. Es liegt etwa 60 km östlich des Außenzentrums Yirgallem.

Dr. Catherine Hamlins Traum Geburtsfisteln in Äthiopien auszurotten erfüllt sich unter anderem durch die Eröffnung der Hebammenschule im Jahr 2007. Seit 2010 arbeiten die Hamlin-Hebammen in den ländlichen Gebieten und werden dort auch in der Geburtshilfe vom Fistula Hospital unterstützt. Momentan werden 36 Health Center geburthilflich vom Fistula Hospital unterstützt.

Das Konserechafa Health Center ist eines der 5  von Hamlin Fistula unterstützten Geburtshilfezentren in der Nähe von Yirgallem. Es hat ein Einzugsgebiet von über 28.000 Bewohnern hatte aber keine professionelle Hebamme bis vor 4 Jahren 2 Hamlin Hebammen dort anfingen zu arbeiten. Früher gab es 5 Geburten im Monat, seitdem entbinden dort mehr als 50 Frauen jeden Monat. Das bedeutet eine sehr große Veränderung für dieses Gebiet. Hamlin Fistula hat eine neue Geburtshilfestation dort errichtet, die 24 Stunden täglich erreichbar ist.  Zusätzlich gibt es auch eine Ambulanz, die Risikoschwangere sofort ins nächste Krankenhaus bringt. Seitdem gab es in dieser Gegend keine neuen Fistelfälle.

Um für die Hebammen ein gutes Arbeitsklima zu schaffen, hat Hamlin Fistula ein voll eingerichtetes Haus für die beiden gebaut. So werden die Hebammen ermutigt, über die staatlich vorgeschriebenen 4 Jahre dort zu arbeiten.

Das Konsorechafa Health Center ist eines der beliebtesten in der Region mit professioneller Geburtshilfe, wo Frauen sicher entbinden können.

 

Abebech Tefera

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Abebech ist 42 Jahre alt und kommt aus einer kleinen Stadt mit einigermaßen gutem Zugang zu Krankenhäusern, Ärzten und Infrastruktur.

Abebech und ihr Mann arbeiten im öffentlichen Dienst und habe 4 Kinder. Sie sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet und im August wurden sie Großeltern.

Abebechs Schwangerschaften verliefen ohne Komplikationen. Vor 4 Monaten wurde bei ihr eine geschwollene Drüse entdeckt und man entschied sich, diese operativ zu entfernen. Die Operation verlief erfolgreich, aber leider wurde dabei die Blase verletzt und die Folge war Inkontinenz.

Abebech kannte die Arbeit des Fistula Hospitals durch das Fernsehen und wurde von ihrem Krankenhaus nach Addis Abeba überwiesen. Sie kam vor einem Monat im Fistula Hospital an.

Als Fistelpatientin ohne vorangegangene Geburt war sie eine der wenigen Fälle die im Fistula Hospital behandelt wurde. Sie wurde in unserem neu renovierten Operationssaal behandelt und konnte schon nach wenigen Tagen geheilt nach Hause entlassen werden.

„Diese Verletzung war für mich schockierend, aber Dank der außergewöhnlichen Hilfe, die ich hier kostenlos erhielt, bin ich eine neue Frau geworden. Ich danke allen, die diesen armen Frauen, die ich hier im Krankenhaus getroffen habe, helfen und bete für ein langes Leben von Emayye (Dr. Catherine Hamlin). “