Getenesh wurde in einem abgelegenen Bergdorf geboren, wo es keinerlei Infrastruktur gibt. Die Dorfbewohner müssen mindestens sechs Stunden laufen bis zur nächsten Klinik, Schule oder Elektrizität. Getenesh besuchte nur kurze Zeit die Schule, dann blieb sie zu Hause und half ihrer Mutter. Sie kümmerte sich um Kühe und Schafe. Mit 14  Jahren wurde Getenesh verheiratet. 
Ein Jahr nach der Heirat wurde Getenesh zum ersten Mal schwanger. Die Schwangerschaft freute die ganze Familie, weil Unfruchtbarkeit im traditionellen ländlichen Äthiopien etwas Schlimmes ist. Sie verbrachte normale neun Monate ohne eine einzige ärztliche Untersuchung. Ihre Mutter  betreute sie während der Wehen. Eine andere Option gab es nicht. Die nächste Klinik war 6 Stunden Fußmarsch entfernt. Die Wehen dauerten 4 lange Tage. „Am vierten Tag, an dem ich keine Bewegung im Mutterleib fühlte, dachte ich, ich hätte Erleichterung und wollte zunächst nicht in die Klinik. Dort hörte ich, dass ich mein Baby verloren habe“, erinnert sich Getenesh. Nach sechs Stunden auf einer selbst gebauten Trage, wurde Getenesh in das nächste Health Center gebracht. Von dort wurde ich in das nächste Krankenhaus gebracht. Die Familie muss eine Fahrtmöglichkeit finden und sie blieb eine weitere Nacht in der Klinik. Am sechsten Tag kam Getenesh sehr schwach und bewußtlos ins Krankenhaus. Das tote Baby wurde mit der Zange geholt, dabei wurde die Blase verletzt. Als sie wieder zuhause war, bemerkte sie, dass sie inkontinent war. 
Das Krankenhaus schickte sie in das Fistula Hospital, wo Getenesh, begleitet von ihrer Tante,vor etwa 10 Jahre ankam.  Sie wurde mit Medikamenten versehen und nach Hause geschickt mit einem Termin zur Behandlung. Nach einem Jahr war ihre Blase geschlossen und sie konnte überhaupt nicht urinieren. So wurden auch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen und Getenesh kam erneut in das Fistula Hospital.  Die erste Operation war noch nicht erfolgreich, vor allem die Nierenschmerzen nahmen zu. Über vier Jahre blieb Getenesh unter lebensbedrohlichem Zustand hier in unserem Krankenhaus. Die Harnableitung im Jahr 2011, war erfolgreich und Getenesh erholte sich völlig.  Sie wurde völlig trocken und ihre Nieren besserten sich. Wegen des schwierigen Falles konnte Getenesh nicht in ihr Heimatdorf zurück. Sie wurde in das Rehabilitationsprogramm in Desta Mender aufgenommen und trainierte verschiedene Fähigkeiten, wie Gemüsebau und Milchwirtschaft. Neben dem Reha-Training ging sie in die Abendschule, die sie nun erfolgreich beendet hat. Vor einem Jahr begann Getenesh als Hausmeisterin und Putzfrau. Sie lebt unabhängig in einem gemieteten Haus in der Nähe von Desta Mender. „Die Probleme, mit denen ich in den vergangenen zehn Jahren konfrontiert war, waren früher nicht zu überwinden, aber dank Hamlin habe ich das Unmögliche möglich gemacht und hier fühle ich mich besser als je zuvor und träume von der Zukunft“, sagte Getenesh. „Immer wenn ich Emaye (Dr. Catherine Hamlin) sehe, wünsche ich, dass ich ihre Sprache sprechen könnte und mich bedanken könnte für alles, was sie und ihr Team mit mir gemacht haben. Ich bezweifle sogar, dass meine eigene Mutter mich so bedingungslos lieben könnte“, fügte sie hinzu.