Urodynamik Fellowship

Mehr lesen

Am 24.10.2016 haben 2 weitere Ärzte als Fellows unseres Ausbildungsprogramms “Uro-Gynäkologie” offiziell gestartet – beide aus Hamlin: Dr. Bitew, der das Zentrum in Bahir Dahr leitet, und Dr. Yeshina, der mit uns in Addis arbeitet.

Hintergrund unserer Fellowship ist es, dass Frauengesundheit in Äthiopien trotz vieler Anstrengungen nach wie vor ein großes medizinisches Problem darstellt: Immer noch ist die Müttersterblichkeit hoch, immer noch gibt es geburtsbedingte Fisteln und auch die Häufigkeit von Gebärmuttervorfall, teils erheblichen Ausmaßes sowie Harn- und Stuhlinkontinenz ist groß, vor allem im ländlichen Bereich.

Nach wie vor treffen diese Herausforderungen auf eine sehr geringe Zahl gut ausgebildeter Ärzte mit Spezialkenntnissen.

Obwohl die Koordination und die Absprachen zwischen den Partnern eine ständige Herausforderung darstellen, bietet die Kooperation von Hamlin Fistula Ethiopia und der Universitätsklinik Mekelle Ayder Hospital wichtige Vorteile: die gemeinsame Nutzung der vorhandenen Ressourcen und die offizielle staatliche Anerkennung der Ausbildung. Natürlich ist die Unterstützung durch ausländische Partner und Tutoren dabei unerlässlich, um qualitativ internationalen Standards zu genügen – unser erklärtes Ziel. Das Curriculum wurde aus den USA entlehnt und auf äthiopische Verhältnisse zugeschnitten. Einen Schwerpunkt des Programms bildet deshalb der Komplex “geburtsbedingte Fisteln”, aber auch urologische Komplikationen und deren Behandlung.

Unser erstes Jahr war ein großer Erfolg: Dr. Fekade und Dr. Melaku – unsere “alten Fellows” – haben trotz ihrer großen Erfahrung als Fistelchirurgen von den intensiven Trainingseinheiten profitiert. In diesem Jahr stehen colo-rectale Chirurgie, spezielle Urologie und Neurologie auf ihrem Lehrplan. Auch werden beide bereits im Februar als Tutoren für die “neuen Fellows” bereit stehen, da die amerikanischen Kolleginnen wegen der politischen Situation in Äthiopien erst im Mai wieder einreisen – da können sie ihre Eignung als Lehrende unter Beweis stellen.

Das Trainings-Programm für das erste und zweite Ausbildungsjahr steht also und wird wieder von hochrangigen Tutoren aus USA, England, Deutschland und Holland praktisch und theoretisch gestaltet. …und jedem Anfang liegt ein Zauber inne….Ich hoffe aber, dass allen Beteiligten Leidenschaft, Ausdauer und Geduld bewahrt bleiben, um dies ein auf lange Sicht erfolgreiches Projekt werden  zu lassen.

Tigist

Mehr lesen

“Medde Jalelaa”, das bedeutet Quell der Liebe und ist der Name eines abgelegenen Dorfes in der Region Oromiya. Hier wurde die 16-jährige Tigist mit einem um etliche Jahre älteren Bauern verheiratet und gründete mit ihm eine Familie. In den Ort gab es weder Straßen, noch Elektrizität und auch keinerlei ärztliche Versorgung. Die nächste medizinische Einrichtung war 2 Stunden Fußmarsch entfernt.

Tigists Familie lebte ein sehr traditionelles Leben. Das jährlich geerntete “teff”, das traditionelle äthiopische Getreide, reichte gerade für die täglichen Mahlzeiten, aber nicht dafür, etwas für die Zukunft beiseite zu legen.

Bis zu ihrer ersten Schwangerschaft machte es Tigist neben ihrer Hausarbeit auch sehr viel Freude, ihrem Ehemann bei der Landwirtschaft zu helfen.

Tigist war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. Eine schwierige und sicher auch frustrierende Situation für so ein junges Mädchen. Während der 9-monatigen Schwangerschaft hatte Tigist nie die Möglichkeit, eine Gesundheitseinrichtung zu besuchen und so mußte sie, wie die anderen Frauen im Dorf, zu Hause gebären. Die einzige Hilfe, die sie hatte, war die ungelernte traditionelle Geburtshelferin des Dorfes.

Diese ältere Frau hat Erfahrung mit der traditionellen Art der Geburtshilfe und hat bereits vielen Frauen des Ortes während der Geburt beigestanden. Aber als Tigist in den Wehen lag, verstand diese Helferin nicht, daß etwas schief lief und es sich um eine Risikogeburt handelt. Sie ließ Tigist drei Tage lang pressen, dann waren alle ihre traditionellen Geburtshilfemethoden ausgeschöpft – keine davon hatte geholfen. Am dritten Tag fiel das Mädchen in ein Koma und nun beschloss der Ehemann, sie ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Im Krankenhaus konnten die Ärzte zwar das Leben von Tigist retten, das Kind jedoch wurde tot geboren und Tigist selbst erlitt eine Geburtsverletzung, die eine dauerhafte Inkontinenz verursachte.

Nachdem diese Geburtsverletzung nach drei Monaten immer noch nicht verheilt war, erhielt Tigist von dem Krankenhaus, das sie während der Geburt aufgenommen hatte, ein Referenzschreiben für eine weitere Behandlung am Addis Abeba Fistula Hospital.

Vier Jahre ist es nun her, daß sie 20 Tage lang im Fistula Hospital behandelt und vollkommen von der verheerenden Verletzung geheilt worden war. Ihr Ehemann, der ihr während der ganzen Zeit ihrer Verletzung und Inkontinenz zur Seite gestanden hatte, war überglücklich, sie danach wieder an seiner Seite zu haben.

“In dem Moment, als ich im Krankenhaus ankam und all die anderen Frauen traf, die jahrelang unter dem gleichen Problem litten wie ich, verstand ich, wie glücklich ich sein konnte, daß ich nur für eine so kurze Zeit zu leiden hatte und innerhalb von nur 20 Tagen geheilt werden konnte. Ich bin Gott und allen hier so dankbar!” erklärt Tigist.

Vier Jahre nach ihrer Fistelbehandlung kam Tigist nun wieder ins Fistula Hospital, diesmal im 8. Monat schwanger. Mit Hilfe eines Kaiserschnitts konnte sie vor einer Woche sicher ihr Baby zur Welt bringen und zum ersten Mal Mutter werden.

Etwa zwei Wochen wird sie nun nach der Geburt im Hospital bleiben, bis ihr Ehemann kommt, um sie und den neugeborenen Sohn abzuholen.

“Ich kann nicht gut meine wirklichen Gefühle beschreiben, aber ich kann versichern, daß ich immer für ein langes, gesundes Leben für all diejenigen beten werde, die hier arbeiten und mir halfen, meine Würde zurückzuerhalten und mich wieder zu einer Frau zu machen.”